Magdeburg (epd). Die Sanierung des historischen Grabmals von Kaiser Otto I. (912-973) im Magdeburger Dom steht vor dem Abschluss. Damit ist die Grundbedingung für die Wiederbeisetzung seiner sterblichen Übereste am 1. September laut der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, der Hausherrin des Gotteshauses, erfüllt. „Allen an der Rettung des kaiserlichen Grabes Beteiligten gebührt mein herzlicher Dank“, sagte Kulturminister Rainer Robra (CDU) am Mittwoch in Magdeburg.
Schäden aufgrund des Gewichtes der 300 Kilogramm schweren antiken Marmordeckplatte an den teilweise nur zehn Millimeter dünnen Wänden des Kalksteinsarkophags seien so groß gewesen, dass vor zwei Jahren eine dringende Sanierung beschlossen wurde. Damit eröffnete sich zudem die Möglichkeit, die Gebeine des Kaisers, seinen mittelalterlichen Holzsarg und alle Grabinhalte wissenschaftlich zu untersuchen.
Forschungen an den Grabfunden gehen weiter
Wichtigste Erkenntnis von forensischen und DNA-Untersuchungen war, dass im Sarg wirklich Kaiser Otto bestattet war, sagte Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller. Als Vergleichsmaterial konnte man auf Schädel und Gebeine von Kaiser Heinrich II. (978-1024) aus Bamberg zurückgreifen, der ein Enkel des Bruders von Otto dem Großen war. Zudem zeigten die Untersuchungen, dass das Kaisergrab in der Vergangenheit mehrfach geöffnet wurde, etwa als es nach dem Dombrand 1207 in die neue gotische Kathedrale versetzt wurde.
Auch nach der Wiederbeisetzung werden die wissenschaftlichen Forschungen fortgesetzt. So seien die Textilreste im Grab laut Landesarchäologen „viel besser erhalten als bei Königin Editha“, der ersten Gemahlin Ottos, die 2010 im Dom wieder beigesetzt wurde. Im Fall von Edithas Grab hätten vor allem Insekten spannende Erkenntnisse liefern können. Das werde auch bei Otto erwartet: „Da werden wir noch einige Überraschungen erleben“, sagte Meller.
Untergrund des Grabes musste ertüchtigt werden
Nach Erkenntnissen der Forscher waren viele Schädigungen am kaiserlichen Grab auf Probleme des Standortes zurückzuführen. „Aus dem Untergrund aufsteigende Feuchtigkeit und der damit verbundene Eintrag von Salzen“ seien dafür hauptverantwortlich gewesen, sagte der Generaldirektor Kulturstiftung, Christian Philipsen. Deshalb wurde der Bereich ausgekoffert und schließlich mit Kalksteinschotter aufgefüllt, sagte Projektleiter Veit Dresely vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Eine Granitplatte von nahezu drei mal zwei Metern Größe gibt dem Unterbau weitere Standsicherheit.
Um dauerhaft den Druck von den Seitenwänden des Sarkophags zu nehmen, wird hingegen moderne Technik im Grab eingebaut - ohne dass man etwas von außen sieht, versprach Dresely. Höhenverstellbare Edelstahlstützen werden diese Aufgaben übernehmen und die Marmorplatte künftig tragen. Die Risse im Sarkophag wurden wiederum mit von innen aufgeklebten Karbonstreifen stabilisiert.
Menschliche Würde endet nicht mit dem Tod
Alle Arbeiten am Grab und den sterblichen Überresten des Kaisers seien in enger Abstimmung mit der Kirche unter Wahrung christlicher Glaubensvorstellungen und pietätvoll erfolgt, sagte der Beauftragte der Evangelischen Kirchen in Sachsen-Anhalt, Albrecht Steinhäuser. Er verwies darauf, dass „die menschliche Würde im Tod nicht endet“.



