Kirchen verlieren Geld durch Immobilienfonds

Kirchen verlieren Geld durch Immobilienfonds
Der Skandal um den Immobilienfonds Verius zieht weitere Kreise. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" betrifft es auch evangelische Kirchenkreise im Norden und das Bistum Augsburg.
19.08.2026
epd
Von Evelyn Sander und Christina Geisler (epd)

Hamburg, Augsburg (epd). Die Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreise Hamburg-West/Südholstein und Hamburg-Ost haben in den Verius-Immobilienfonds investiert und Geld verloren. Das bestätigten beide Kirchenkreise am Mittwoch auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Zuvor hatten NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dass offenbar 50 Direktinvestoren wie Kirchen, Pensions- und Sterbekassen in den Fonds investiert hatten. Demnach hat auch das Bistum Augsburg Geld verloren. Verius sollte die Mittel in Immobilienprojekte investieren, geriet den Recherchen zufolge aber in Schieflage.

Bereits bekannt war, dass Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen rund 400 Millionen Euro in dem Fonds verloren haben sollen. Um wie viel Geld es bei den beiden Hamburger Kirchenkreisen geht, bleibt unklar. „Konkrete Anlagesummen legen wir grundsätzlich nicht offen“, sagte Felix Wienen, Sprecher des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein. Auch der Kirchenkreis Hamburg-Ost macht zur Höhe der Investition „grundsätzlich keine Angabe“.

Auch das Bistum Augsburg bestätigte Verluste. Zugleich betonte ein Sprecher, dass die Verius-Anlage zum Zeitpunkt des Investments nur ein Prozent des Anlagevolumens der Diözese ausgemacht habe. „Neben der Investition einer niedrigen siebenstelligen Summe in den Verius-Fonds wurden damals zwei weitere Sonderinvestments getätigt, die zum heutigen Stand positive Ergebnisse erbracht haben“, sagte er. Mit den von den Kirchensteuerzahlern zur Verfügung gestellten Mitteln werde „grundsätzlich äußerst sorgsam“ umgegangen.

Geld ist verloren

Beide Hamburger Kirchenkreise betrachten das Geld mittlerweile als verloren. „Nach aktuellem Stand ist nicht damit zu rechnen, das Geld zurückzubekommen“, sagte Remmer Koch, Sprecher des Kirchenkreises Hamburg-Ost. Auch sein Kollege Felix Wienen vom Kirchenkreis West/Südholstein rechnet nicht mehr mit nennenswerten Rückflüssen.

„Dass es zu diesem Verlust gekommen ist, bedauern wir. Als Kirchenkreis tragen wir Verantwortung für die uns anvertrauten Mittel und diesem Anspruch ist die Anlage im Ergebnis nicht gerecht geworden“, sagte Wienen. Die Anlageentscheidung des Kirchenkreises sei auf Grundlage der damals vorliegenden Unterlagen, aufsichtsrechtlichen Einordnung und Empfehlung externer Berater gefallen.

Kirchliche Arbeit nicht betroffen

Laut Wienen ist die Abschreibung „aus Vorsichtsgründen in voller Höhe“ bereits 2023 erfolgt. Da das Investment nur einen Anteil von unter einem Prozent der Geldvermögensanlagen ausgemacht habe, seien finanzielle Auswirkungen begrenzt geblieben. „Sie wurden bereits im Jahr der Abschreibung vollständig wieder aufgeholt“, sagte Wienen. Renten-, Pensions- oder sonstige Versorgungsansprüche seien nicht betroffen. „Auch die kirchliche Arbeit war und ist nicht beeinträchtigt“, sagte Wienen. Um solche Fälle künftig zu vermeiden, würden einzelne Anlageentscheidungen jetzt „noch detaillierter“ durch Externe geprüft, hieß es.

Auch der Kirchenkreis Hamburg-Ost bedauere die eingetretene Entwicklung „ausdrücklich“, hieß es. Die Fehlinvestments haben Folgen: „Die Ausschüttungen an unsere Körperschaften fallen in diesem Jahr geringer aus“, sagte Koch. Nicht davon betroffen seien die laufende kirchliche Arbeit, Gehälter oder Pensionsansprüche der Beschäftigten.

Um Fehlinvestments künftig zu vermeiden, würden Risikomanagement und Anlagerichtlinien kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt, hieß es vom Kirchenkreis Hamburg-Ost. Das Investment in den Verius-Fonds sei rückblickend eine Fehlentscheidung gewesen. Koch: „Wir haben daraus gelernt und Risikomanagement und Investitionsprozess bereits seit einigen Jahren so angepasst, dass vergleichbare Anlageformen nicht mehr Bestandteil des Portfolios sind.“