Berlin (epd). Infolge von Trockenheit und Hitze rechnen die deutschen Bauern in diesem Jahr mit sinkenden Ernteerträgen. Für 2026 werde eine Getreideernte von 41,9 Millionen Tonnen erwartet, teilte der Deutsche Bauernverband am Dienstag in Berlin mit. Das seien 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Ertrag über alle Getreidearten liege mit 68,9 Dezitonnen pro Hektar um 9 Prozent unter dem Vorjahr.
„Prägend waren ein zu trockenes Frühjahr und eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte während der Kornfüllungsphase, die vielerorts zu Notreife führte“, erklärte der Verband. Insbesondere in Süd- und Westdeutschland hätten fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied.
Stärkster Einbruch beim Winterraps
Beim Winterweizen, der mit rund 2,9 Millionen Hektar wichtigsten Kultur, liegt die Erntemenge demnach lediglich bei 20,9 Millionen Tonnen und damit 7 Prozent unter dem Vorjahr. Der Ertrag pro Hektar sei um 9 Prozent auf 72,1 Dezitonnen pro Hektar gesunken.
Am stärksten hat es laut Bauernverband den Winterraps mit einem Ertragseinbruch von 20 Prozent auf 29,1 Dezitonnen pro Hektar getroffen. In Summe wurden den Angaben zufolge nur 3,3 Millionen Tonnen geerntet. Neben Hitze und Trockenheit hätten hoher Schädlingsdruck und die fehlende Verfügbarkeit wirksamer Mittel gegen Erdfloh und Kohlschotenmücke den Beständen zu schaffen gemacht.
Das Statistische Bundesamt legte am Dienstag Zahlen zur Apfelernte vor. Demnach wird für 2026 mit einem Ertrag von rund 934.000 Tonnen gerechnet. Damit würden voraussichtlich 52.900 Tonnen oder 5,4 Prozent weniger Äpfel geerntet als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre (2016 bis 2025). Die besonders gute Apfelernte des Vorjahres werde voraussichtlich um 204.000 Tonnen (17,9 Prozent) unterschritten.
Äpfel fallen vorzeitig vom Baum
Grund für die verhaltene Ernteprognose seien wiederkehrende Hitzeperioden und anhaltende Trockenheit im Frühjahr und Sommer 2026, hieß es. Dadurch fielen viele Äpfel vorzeitig vom Baum, blieben sehr klein oder wiesen Schäden durch Sonnenbrand auf.
Insgesamt trifft das schwache Ernteergebnis die Agrarbetriebe laut dem Bauernverband in einer wirtschaftlich prekären Zeit. Hohe Kosten für Betriebsmittel wie zum Beispiel Diesel, Pflanzenschutz- und Düngemittel erhöhten die Belastung. Nicht wenige Betriebe benötigten Sonder- oder Zwischenfinanzierungen zur Sicherung der Liquidität.
Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation forderte Bauernpräsident Rukwied die Bundesregierung auf, ein „Sofortpaket“ zum Erhalt der Liquidität auf den Weg zu bringen. Dazu müsse die Aufstockung der Hilfen für Düngemittel auf 180 Millionen Euro sowie eine sofortige Reduktion der Steuer auf Diesel zählen.



