Berlin (epd). Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, sieht Gedenkorte zur deutschen Teilung zunehmend als Lernorte der Demokratie. Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August sollten deshalb die mindestens 140 Todesopfer im Mittelpunkt des Gedenkens stehen, sagte Klausmeier dem Evangelischen Pressedienst (epd).
„Wir haben einen Bildungsauftrag“, sagte Klausmeier: „Heute müssen wir sehr viel mehr darüber reden, dass diese Mauer Ausdruck eines diktatorischen Regimes war und der Gegenentwurf dazu unsere demokratische Gesellschaft ist.“ Dieser Gedanke solle im Zentrum des Gedenkens stehen. Deshalb würden dabei auch Biografien der Mauertoten verlesen. „Der 13. August ist der Tag der Opfer“, betonte der Stiftungsdirektor.
Angriff auf demokratische Standards
Die Gesellschaft verändere sich und die Menschen stellten heute andere Fragen, sagte er: „Das, was wir für viele Jahre als selbstverständlich ansahen, dass nämlich diese demokratischen Werte anerkannt und nicht hinterfragt wurden, steht jetzt zur Debatte.“ Grundlegende demokratische Standards wie Pressefreiheit, Unabhängigkeit von Gerichten oder Kulturfreiheit würden angegriffen.
„Wenn ich mir das Parteiprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt durchlese, dann schwindelt es mir“, sagte Klausmeier. Gegen Geschichtsverfälschung, Verharmlosung des SED-Regimes und Opferbeleidigung müsse aufgeklärt werden, betonte er: „Unser Auftrag ist es, im historischen Kontext den Systemgegensatz von Demokratie und Diktatur herauszuarbeiten.“
Flucht ist im Alltag präsent
Das zentrale Stiftungsthema, die Flucht von Menschen, sei jeden Tag in den Medien präsent, sagte Klausmeier unter Verweis auf die Ankunft Zehntausender Migranten in der spanischen Exklave Ceuta Ende Juli: „Auch wenn die Berliner Mauer etwas völlig Anderes war, da sind mehr als 70 Menschen an einem Tag ums Leben gekommen, wegen eines Zauns, den man auch Mauer nennen kann.“
Junge Menschen fragten heute bei Führungen, warum die Bundesrepublik seinerzeit Fluchthelfer für Menschen aus der DDR mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt hat, heute aber „Menschen, die aus Not zu uns fliehen, wieder gewaltsam abgeschoben werden“, sagte Klausmeier: „Wir reagieren darauf mit neuen Bildungsformaten.“ So wird beispielsweise am Dienstag eine neue Augmented-Reality-App der ARD vorgestellt, die unter anderem auf Zeitzeugen-Interviews der Stiftung zurückgreift.
Die Stiftung bot 2025 rund 5.100 Führungen an, davon 80 Prozent für Schulklassen. Bislang sei es nur vereinzelt zu antidemokratischen Kommentaren oder Störungen gekommen, sagte Klausmeier.



