Kirchliche Sonderrechte stoßen bei vielen Deutschen auf Skepsis

Kirchliche Sonderrechte stoßen bei vielen Deutschen auf Skepsis
Viele Deutsche wünschen sich weniger kirchliche Sonderrechte und erwarten von den Kirchen vor allem soziales Engagement. Auch Thüringens ehemalige Ministerpräsidenten Christine Lieberknecht und Bodo Ramelow sprechen sich für Veränderungen aus.

Weimar, Leipzig (epd). Rund 31 Prozent der Deutschen sprechen sich für eine Reduzierung kirchlicher Sonderrechte wie Kirchensteuer, Staatsleistungen, Arbeitsrecht oder Religionsunterricht aus. Das zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Online-Umfrage des Erfurter Meinungsforschungsinstituts Insa Consulere im Auftrag der mitteldeutschen Kirchenzeitungen „Glaube+Heimat“ und „Der Sonntag“. Befragt wurden 2.006 Teilnehmende ab 18 Jahren zwischen dem 24. und 27. Juli.

Als wichtigste Erwartung an die Kirchen nannten 34 Prozent der Befragten mehr Engagement für Menschen in Not und soziale Hilfsangebote. 19 Prozent erwarten Orientierung in Glaubens- und Ethikfragen. In Ostdeutschland gaben 40 Prozent an, keine Erwartungen an die Kirchen zu haben.

Regionale Unterschiede auch in Ostdeutschland

In Sachsen und Sachsen-Anhalt befürworten 28 Prozent eine Einschränkung kirchlicher Sonderrechte, in Thüringen 21 Prozent. Hoch ist die Zustimmung zur Abschaffung von Sonderrechten unter CDU/CSU-Anhängern mit 39 Prozent. Katholiken und Konfessionslose liegen mit 34 beziehungsweise 35 Prozent nahezu gleichauf.

Bei einer Podiumsdiskussion in Ettersburg am Mittwochabend forderte der Linken-Politiker Bodo Ramelow eine Anpassung kirchlicher Rechte an die gesellschaftlichen Veränderungen. Diese seien entstanden, als rund 80 Prozent der Bevölkerung kirchlich gebunden gewesen seien. Ramelow erneuerte seinen Vorschlag, die Kirchensteuer in eine Kulturabgabe umzuwandeln. Die frühere Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hält eine solche Debatte ebenfalls für legitim, warnte aber vor zusätzlichen finanziellen Belastungen der Bürger.