Weitere Warnungen vor Aufweichen der Rentenreform

Weitere Warnungen vor Aufweichen der Rentenreform
Die geplante Streichung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren bleibt umstritten. Rentenkommissions-Vize Reddig verweist auf Milliardenkosten. Auch die Familienunternehmer sind für die Abschaffung.

Berlin (epd). Der stellvertretende Vorsitzende der Rentenkommission, Pascal Reddig (CDU), lehnt Änderungen an der geplanten Rentenreform ab. „Wenn wir jetzt die Abschaffung der 'Rente mit 63' aus dem Gesamtpaket herauslösen, kann das ganze Haus der Rentenreform zusammenstürzen“, sagte der Bundestagsabgeordnete den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). "Die vorgeschlagenen Maßnahmen stehen in Wechselwirkung zueinander und sind nur im ausgewogenen Gesamtpaket langfristig finanzierbar.”

„Die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren kostet die Solidargemeinschaft jährlich einen zweistelligen Milliardenbeitrag“, sagte Reddig. Sie erreiche ihr ursprüngliches Ziel nicht, Menschen in körperlich harten Berufen einen früheren Renteneintritt zu ermöglichen.

Familienunternehmer verweisen auf „ökonomische Vernunft“

Ähnlich äußerten sich die Familienunternehmer. „Ein Stopp der Abschaffung oder abgemildertes Beibehalten wäre ein Handeln gegen jegliche ökonomische Vernunft“, sagte Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann den Funke-Zeitungen. Würde dieser zentrale Reformbaustein herausgezogen, geriete „das gesamte Reformpaket, mit dem die Bundesregierung endlich ins Machen kommen wollte, erneut ins Wanken“. Die Ausgaben würden immer weiter auf nachfolgende Generationen abgewälzt werden.

Die ostdeutschen Ministerpräsidenten Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer aus Sachsen und Mario Voigt aus Thüringen (alle CDU) hatten die geplante Abschaffung der Frührente wieder infrage gestellt und damit eine Debatte ausgelöst. Auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), fordert, „dass es bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren bleiben muss“.

„Lebensrealitäten in Ostdeutschland berücksichtigen“

Schulze verteidigte die Forderung der ostdeutschen Ministerpräsidenten. „Es geht nicht darum, die Rentenreform insgesamt infrage zu stellen“, sagte er den Funke-Blättern. „Uns ist wichtig, dass die unterschiedlichen Erwerbsbiografien und Lebensrealitäten in Ostdeutschland in den weiteren Beratungen berücksichtigt werden.“