Naumburg, Halle (epd). Archäologen haben bei Grabungen am Naumburger Dom einen außergewöhnlichen mittelalterlichen Friedhof mit möglicherweise hochrangigen Bestattungen entdeckt. Zwischen dem Dom aus dem 11. Jahrhundert und der Nikolaikapelle seien bislang 13 Gräber freigelegt worden, teilte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt am Montag in Halle mit. Mehrere Tote seien in gemauerten oder aus Steinplatten errichteten Steinkisten bestattet worden.
Nach Angaben der Archäologen wurden in dem Gräberfeld Männer, Frauen, Jugendliche sowie ein etwa einjähriges Kleinkind bestattet. Dieses sei nachträglich in einer bereits belegten Steinkiste beigesetzt worden. Eine enge Verwandtschaft zwischen beiden Toten sei zu vermuten. Nach Einschätzung des Landesamtes deutet die Fundsituation darauf hin, dass die Grabstellen oberirdisch markiert waren und der Friedhof nur kurze Zeit genutzt wurde.
Möglicherweise wurde hier eine hochrangige Familie bestattet
Eine genaue Datierung soll erst durch naturwissenschaftliche Untersuchungen möglich werden. Nach dem bisherigen Kenntnisstand stammen die Bestattungen aus dem 11. Jahrhundert und wurden später beim Bau des spätromanischen Doms teilweise überprägt. DNA-Analysen am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig sollen klären, ob es sich um einen Familienverband handelt.
Für eine Bestattung von Angehörigen der damaligen Elite sprechen nach Angaben der Archäologen sowohl der aufwendige Grabbau als auch die Lage des Friedhofs zwischen zwei Sakralbauten unmittelbar vor dem Hauptzugang des Doms. Die Grabungen erfolgen im Zuge der Neugestaltung des Naumburger Domplatzes.



