Frankfurt a.M. (epd). Pro Asyl fordert ein dauerhaftes Bleiberecht für geflüchtete Jesiden in Deutschland. Bis eine bundesweite Regelung umgesetzt sei, müsse ein Abschiebestopp gelten, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Samstag in Frankfurt am Main anlässlich des Jahrestages des Genozids an den Jesiden am 3. August. Den Völkermord durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ an der Religionsgemeinschaft anzuerkennen und gleichzeitig Überlebende sowie deren Angehörige mit der Abschiebung an den Ort des Verbrechens zu bedrohen, sei ein „eklatanter Widerspruch“.
„Wer den Völkermord anerkennt, übernimmt Verantwortung für die Überlebenden - und muss dieser Verantwortung durch politisches Handeln gerecht werden“, sagte Karl Kopp, Geschäftsführer von Pro Asyl. Die Abschiebungen in den Irak haben laut Mitteilung der Menschenrechtsorganisation in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Die Religionszugehörigkeit werde nicht erfasst, es sei jedoch davon auszugehen, dass unter den Abgeschobenen auch Jesiden gewesen seien.
Furcht vor erneutem Völkermord
Zwölf Jahre nach dem Völkermord sei eine Rückkehr für viele Jesiden „keine realistische Perspektive“. Der Genozid habe die sozialen und familiären Strukturen der jesidischen Gemeinschaft nahezu zerstört. Zehntausende lebten als Binnenvertriebene in der Autonomen Region Kurdistan, Familien seien auseinandergerissen. Angesichts „erstarkender dschihadistischer Kräfte“ fürchteten viele Jesiden einen erneuten Völkermord.
Am 3. August 2014 hatten Kämpfer des IS die Sindschar-Region im Nordirak überfallen. Tausende Angehörige der dort beheimateten jesidischen Gemeinschaft wurden getötet oder verschleppt, Frauen und Mädchen wurden Opfer sexualisierter Gewalt. Der Bundestag erkannte die Gewalttaten des IS an den Jesiden im Januar 2023 als Völkermord an. In Deutschland leben nach Angaben von Pro Asyl gut 200.000 Jesiden.



