Berlin (epd). Aus Sicht des Queer-Aktivisten Günter Dworek hat das vor 25 Jahren in Kraft getretene Lebenspartnerschaftsgesetz die Akzeptanz für alle queeren Menschen deutlich vorangebracht. „Die Gleichstellung hätte natürlich schon viel früher kommen müssen“, sagte Dworek dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Rückblickend betrachtet war der Zwischenschritt für viele eher konservative Menschen aber wohl eine wichtige Brücke auf dem Weg zur Akzeptanz.“
Dworek, der seit Ende der 80er Jahre für die eingetragene Lebenspartnerschaft kämpfte, erinnerte an den konservativen Widerstand gegen das Gesetz. „Konservative beschworen den Untergang des Abendlandes“, sagte er. Auch Justiz, Teile der rot-grünen Koalition und die Kirchen seien dagegen gewesen. Es sei „wirklich epochal, welches Umdenken zum Besseren seitdem in den evangelischen Kirchen und in jüngster Zeit auch innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland stattgefunden hat, auch wenn der Weg noch längst nicht zu Ende ist“.
„Trommelfeuer an queerfeindlicher Hetze“
Aktuelle Entwicklungen bereiteten ihm jedoch Sorge, sagte Dworek: „Vieles, was erreicht wurde, muss nun erneut verteidigt werden.“ Er sprach von einem „Trommelfeuer an queerfeindlicher Hetze, insbesondere von rechts sowie durch religiöse Fundamentalisten“.
Dworek warnte vor einer Normalisierung der AfD, die in ihrem „Regierungsprogramm“ für Sachsen-Anhalt eine „massive Entrechtung queerer Menschen“ propagiere. „Wer hier Brandmauern infrage stellt, wirft queere Menschen und viele andere vor den Bus“, sagte er. Zugleich beklagte er eine „absolut enthemmte Dämonisierung“ von Transpersonen und nicht-binären Menschen.
Forderung zum Grundgesetz und Abstammungsrecht
Für den Schutz queeren Lebens fordere er eine Erweiterung des Diskriminierungsschutzes im Grundgesetz um die sexuelle Identität, sagte Dworek: „Es ist beschämend für unser Land, dass hier nach 77 Jahren Grundgesetz immer noch eine Schutzlücke besteht.“
Günter Dworek war von 1991 bis 2022 Mitglied des Bundesvorstandes des Verbands Queere Vielfalt (LSVD) und gehört mittlerweile dem Stiftungsrat der Hirschfeld-Eddy-Stiftung an.



