Berlin (epd). Nach der Attacke am Rande des Christopher Street Days in Berlin gehen die Sicherheitsbehörden von einem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag aus. Nach den Worten von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) war der mutmaßliche Täter in der Vergangenheit durch ein hohes Maß an Straftaten, durch Radikalisierung und die Zugehörigkeit zur islamistischen Szene aufgefallen. Die Suche nach ihm lief am Sonntag auf Hochtouren.
Dobrindt zeigte sich am Sonntagnachmittag bei einem Besuch am Tatort „fassungslos und tief erschüttert“. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigten sich entsetzt und drückten ihr Mitgefühl mit den Opfern und ihren Angehörigen aus.
Radikalisierter Tatverdächtiger
Dobrindt sprach von einem Todesopfer und insgesamt 29 Verletzten, einige davon schwer. Der Tatverdächtige soll demnach am späten Samstagabend mit einem weißen Kastenwagen in die Menschenmenge im Berliner Tiergarten gefahren und anschließend mit einer Stichwaffe auf weitere Passanten losgegangen sein.
Gefahndet wird im Zusammenhang mit dem Anschlag seit der Nacht zum Sonntag nach einem 21 Jahre alten Mann. Aktuell stehe die Suche nach ihm im Vordergrund, sagte Dobrindt. Der Tatverdächtige sei deutscher Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund. Er wurde laut dem Bundesinnenminister im Jahr 2005 in Deutschland geboren.
Anteilnahme und Entsetzen
Die Tat löste in Politik und Gesellschaft Entsetzen und breite Anteilnahme aus. Bundespräsident Steinmeier sagte am Sonntag beim Großen Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland im nordrhein-westfälischen Hamm: „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben.“
Bundeskanzler Merz sprach im Netzwerk X von einer abscheulichen Tat. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) dankte bei seinem Besuch am Tatort den Sicherheitsbehörden und lobte die Zusammenarbeit zwischen Land und Bund. Für den Nachmittag kündigte Wegner eine Sondersitzung des Senats an. Wegner sprach von einem Anschlag auf „die Art und Weise unseres Zusammenlebens“. „Damit muss Schluss sein“, sagte er.
Andacht in der Marienkirche
Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz lud für den späten Nachmittag zu einer ökumenischen Andacht ein. In der Marienkirche am Alexanderplatz solle dabei die Möglichkeit gegeben werden, der Opfer zu gedenken und der Trauer Ausdruck zu verleihen.
Berlins evangelischer Bischof Christian Stäblein sagte zu dem Anschlag, aus einem Tag voller Vielfalt und Liebe sei „eine Nacht voller Entsetzen“ geworden. Sein katholischer Amtskollege, Erzbischof Heiner Koch, sagte, es sei schrecklich, „ein so frohes und bewegendes Fest brutal zu zerstören“.
Die ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche forderte mehr Schutz für queere Menschen. Die Organisation erklärte in Nürnberg: „Ein Angriff auf den CSD ist ein Angriff auf das Recht, sichtbar zu sein, frei zu leben und ohne Angst zusammenzukommen.“
Für den späten Sonntagnachmittag war von der schwul-lesbischen Initiative Maneo auch ein Gedenkmarsch vom Roten Rathaus zum Brandenburger Tor geplant.



