Katharina Wagner: Streit mit Friedman beruhte auf Fehleinschätzungen

Katharina Wagner: Streit mit Friedman beruhte auf Fehleinschätzungen
Festspielleiterin Katharina Wagner äußert sich dankbar, dass der Streit mit dem Publizisten Michel Friedman um dessen Vortrag bei den Bayreuther Festspielen beigelegt wurde.

Frankfurt a.M. (epd). Die künstlerische Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, sieht den Streit um einen Vortrag des Publizisten Michel Friedman am diesjährigen Eröffnungswochenende der Festspiele in einer „Verkettung organisatorischer und sicherheitsrelevanter Fehleinschätzungen“ begründet. „Als mir der Vorgang bekannt wurde, habe ich mich der Sache sofort angenommen, weil für mich von Anfang an feststand, dass diese wichtige Veranstaltung stattfinden muss“, sagte Wagner der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstag).

Die Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ findet wie ursprünglich geplant am Sonntag bei den Festspielen statt, die am Samstag eröffnet werden. Mitte Juni war es zu einem öffentlichen Streit gekommen, weil die Festspiele die Gedenkveranstaltung mit dem jüdischen Publizisten Friedman wegen Sicherheitsbedenken abgesagt hatten. Schließlich hatte sich Festspielleiterin Wagner bei Friedman entschuldigt und ihn erneut eingeladen.

„Bedenken konnten ausgeräumt werden“

Sie sei sehr dankbar, dass er die Entschuldigung angenommen hat, sagte Katharina Wagner, die Urenkelin von Richard Wagner (1813-1883) der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Sicherheitsbedenken seien hausintern im Zusammenhang mit den technisch-organisatorischen Abläufen rund um die am selben Tag stattfindende Premiere von „Rienzi“ geäußert worden. „Diese Bedenken konnten ausgeräumt werden, sodass die Veranstaltung nun wie geplant stattfinden kann“, sagte Wagner.

Im Jahr ihres 150-jährigen Bestehens wollen sich die Bayreuther Festspiele in besonderer Weise ihrer Geschichte und der Person Richard Wagner zuwenden. „Richard Wagner war zweifellos Antisemit, und diese Haltung ist nicht zu relativieren“, sagte Katharina Wagner. Seine Bedeutung als Komponist und seine musikalische Leistung stünden davon unabhängig fest, müssten aber zugleich immer im historischen Kontext seiner Schriften und Weltanschauungen betrachtet werden.