Dresden erinnert an Rassismusopfer Marwa El-Sherbini

Dresden erinnert an Rassismusopfer Marwa El-Sherbini
Vor anderthalb Wochen ist in Dresden eine Stele für die ermordete Muslimin El-Sherbini eingeweiht worden. An ihrem Todestag fand nun dort ein Gedenken statt.

Dresden (epd). Vor dem Gebäude des Dresdner Landgerichts ist am Mittwoch an die vor 17 Jahren ermordete Pharmakologin Marwa El-Sherbini erinnert worden. Die Muslimin und gebürtige Ägypterin war am 1. Juli 2009 aus rassistisch und islamfeindlich motiviertem Hass bei einer Verhandlung im Landgericht getötet worden. Zuvor hatte sie als Zeugin gegen ihren späteren Mörder ausgesagt.

Die Gedenkveranstaltung fand an der vor kurzem eingeweihten Gedenkstele für El-Sherbini statt. Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) hatte zuvor erklärt, dass die rassistische Tat dazu zwinge, Fragen zu stellen - über die Gesellschaft, Vorurteile und Hass. Gedenken bedeute, nicht wegzusehen, wenn Menschen ausgegrenzt oder angegriffen werden.

Antimuslimische Gewalt benennen

Marwa El-Sherbini hinterließ ihren Ehemann, der bei dem Angriff schwer verletzt wurde, und einen damals dreijährigen Sohn. Der Berliner Anwalt der Opferfamilie, Eberhard Schultz, erklärte in einem schriftlichen Statement: Der 1. Juli dürfe „nicht auf Gedenkrituale reduziert werden“. Notwendig seien ein „wirksamer Schutz für Betroffene, eine klare Benennung antimuslimischer Gewalt“. Der Moscheeverband Ditib appellierte in Köln an die Politik, antimuslimischen Rassismus endlich „als ernsthafte gesellschaftliche Herausforderung anzuerkennen“.

Der Täter wurde im November 2009 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Dabei wurde auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Der Mörder hatte die Muslimin auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft und war daraufhin angezeigt worden.