Offenbach (epd). Fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal haben sich die Möglichkeiten zur Information über drohende Naturgefahren in Deutschland verändert. Neben dem seit gut einem Jahr existierenden Naturgefahrenportal könne die betroffene Bevölkerung bei drohender Gefahr für Leib und Leben direkt über die Mobilfunkgeräte gewarnt werden, sagte Bodo Erhardt vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Die Vorhersage werde zudem kontinuierlich verbessert. Der DWD und die Hydrologen der Hochwasservorhersagezentralen (HVZn) hätten Berechnungen für jede Stunde entwickelt. Vor fünf Jahren habe es diese Berechnungen nur alle drei Stunden gegeben. „Aktuelle Entwicklungen können so schneller für die Prognosen berücksichtigt werden“, erläuterte der Projektleiter für das Naturgefahrenportal.
Daten zu wetterbedingten Gefahren gebündelt
Das Portal wurde im April 2025 freigeschaltet. Unter www.naturgefahrenportal.de/ können sich Bürgerinnen und Bürger jederzeit etwa über die Gefahr von Hochwasser oder Sturmflut an ihrem Wohnort informieren. Zudem gibt es Empfehlungen, wie man sich im Gefahrenfall schützen kann. Mit dem Portal wurden Frühwarnungen sowie Lage- und Vorsorgeinformationen zu wetterbedingten Naturgefahren in Deutschland gebündelt. Nach den verheerenden Auswirkungen von Tief Bernd 2021 seien die schon seit 2010 bestehenden Ideen zu einem solchen Portal „mit Hochdruck entwickelt“ worden, sagte der Meteorologe Erhardt.
In diesem Jahr seien Warnmöglichkeiten für Hitze und UV-Strahlung integriert worden, die Integration von Waldbrand sei für das Frühjahr 2027 geplant. Die Nutzerzahlen des Portals seien nur schwer zu ermitteln, die Rückmeldungen aus der Bevölkerung und von Experten für Katastrophenschutz seien jedoch positiv.
Kommunikation zwischen Institutionen ausgebaut
Im Juli 2021 habe sich gezeigt, dass vor und während solcher Ereignisse eine intensivere Kommunikation zwischen DWD, Katastrophenschutz und HVZn über die möglichen Auswirkungen notwendig sei, sagte Erhardt. Bei Unwetterlagen fänden daher jetzt Videokonferenzen zwischen DWD, den Innenministerien und HVZn für alle betroffenen Bundesländer statt. Dabei erläuterten die Wetter-Experten, was bei der jeweiligen Lage wahrscheinlich ist und was schlimmstenfalls passieren könne. „Nach solchen Konferenzen haben zum Beispiel Social-Media Postings auch aus einzelnen Innenministerien die Aufmerksamkeit der Bevölkerung erhöht“, erklärte Erhardt.
Bei Extremereignissen, die mehrere Bundesländer bedrohen, werde vom Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum des Bundes und der Länder (GMLZ des BBK) inzwischen eine Bund-Länder-Konferenz einberufen. Zu dieser Konferenz werden neben den Hydrologen und den Innenministerien unter anderem auch das Technische Hilfswerk, die Bundesautobahn GmbH, die Netzleitzentrale der Deutschen Bahn und das territoriale Führungskommando der Bundeswehr sowie Hilfsdienste eingeladen.




