Potsdam (epd). Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf hat der Politik mangelnden Einsatz gegen den Klimawandel vorgeworfen. Dort bestehe die Neigung, wissenschaftlichen Rat nur anzunehmen, wenn er ins Konzept passe, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“ (Montag). Die Bundesregierung versuche derzeit sogar, die Energiewende und den Klimaschutz auszubremsen. „Dabei haben wir keine Zeit zu verlieren“, betonte der Experte des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.
Dramatische Folgen der Erderwärmung noch zu verhindern, sei „ein Wettlauf gegen die Zeit“ geworden, sagte Rahmstorf: „Da müssen auch die politischen Weichen jetzt gestellt werden.“ Dazu gehöre in Deutschland unter anderem, den Netzausbau für erneuerbare Energien voranzutreiben.
Dickes Fell gegen Anfeindungen
Nach seiner Pensionierung im Herbst werde er weiter aktiv bleiben, sagte der Physiker: „Ich werde mich nicht aus der öffentlichen Klimadiskussion verabschieden.“ Jüngeren Forschenden rate er angesichts von Anfeindungen, sich ein dickes Fell zuzulegen. Bei ihm selbst seien diese Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen gegangen. Junge Forschende dürften sich nicht unterkriegen lassen, „sie sollten für die Wissenschaft einstehen“.
Jungen Leuten empfehle er, sich gemeinsam mit anderen jungen Menschen zu vernetzen und beispielsweise in Initiativen für Klimaschutz zu engagieren, sagte Rahmstorf. Dies sei nicht nur gesellschaftspolitisch sinnvoll, sondern helfe auch einem selbst. „Man fühlt sich dann weniger alleingelassen und hilflos“, sagte der Wissenschaftler. Junge Leute sollten sich auf jeden Fall „nicht zu Hause verkriechen oder allein am Handy Sorgen machen“.




