Landschaftsarchitektin: Historische Gärten als Hoffnungsorte

Landschaftsarchitektin: Historische Gärten als Hoffnungsorte
Für den Erhalt von historischen Gärten ist es wichtig, dass sie Menschen ans Herz wachsen, sagt die Professorin für Landschaftsarchitektur und Gartendenkmalpflege, Inken Formann. Im Klimawandel seien die Gärten bedroht und Hoffnungsträger zugleich.
29.06.2026
epd
epd-Gespräch: Karen Miether

Hannover (epd). Historische Gärten können nach Auffassung der Landschaftsarchitektin Inken Formann einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten. Die vor Jahrhunderten angelegten Gärten und Parks litten einerseits unter den Folgen der Erderwärmung, sagte die Professorin der Leibniz Universität in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zugleich wirkten sie ihr entgegen.

„Die Gärten fördern die Biodiversität“, sagte Formann. „Sie haben außerdem einen Kühlungseffekt. Es gibt kaum schöneren Schatten als den unter Bäumen.“ Die Verdunstungskälte, die Bäume erzeugten, lasse sich architektonisch nicht nachbauen. „Viele Innenstädte leben heute davon, dass früher Gärten angelegt wurden.“

Mit allen Sinnen erleben

Zum Denkmalschutz gehöre dabei auch, dass die Gärten öffentlich zugänglich gemacht werden und Menschen von ihrer Geschichte erfahren, erläuterte die Expertin für Gartendenkmalpflege. Formann beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie dies am besten gelingen kann. Große Events wie Gartenmessen zögen zwar viele Interessierte an, erläuterte sie. Die Trittbelastung und Aufbauten könnten aber zu einer Übernutzung führen und täten den meisten Gärten dann nicht gut.

„Gärten sind die einzige Denkmalgattung, die man mit allen Sinnen erleben kann“, sagte Formann. „Man kann die Hände in die Erde stecken, gießen und vieles mehr.“ Menschen könnten eine Beziehung zu den Anlagen aufbauen, indem sie selbst einen Teil der Sorge für sie übernehmen. „Das Prinzip der Fürsorge ist das, was den Garten ausmacht.“ So beteiligten sich zum Beispiel in den Herrenhäuser Gärten in Hannover zahlreiche Ehrenamtliche als Gartenlotsen, aber auch mit dem Jäten von Unkraut an der Pflege. Die Nachfrage der Freiwilligen sei groß. „Für viele ist es ein Privileg, an einem solchen Projekt mitzuarbeiten.“

Gärten als Hoffnungsorte

Auch gesellschaftlich seien die historischen Gärten von Bedeutung: „Sie haben ein Riesenpotenzial.“ Sie dienten zum Beispiel als Erholungsräume und könnten zu Orten des Dialogs ausgebaut werden. „Mitten im von Menschen gemachten Klimawandel stehen die Gärten aber auch für Stabilität seit Jahrhunderten.“ Dadurch wirkten sie in unsicheren Zeiten Verlustängsten entgegen. „Damit sind solche Denkmale auch Hoffnungsorte.“

Zugleich gefährde der Klimawandel die Gärten in vielfacher Weise. Die Niederschläge reichten nicht mehr für eine auskömmliche Bewässerung. So falle etwa im Dessau-Wörlitzer Gartenreich in Sachsen-Anhalt mittlerweile in vielen Sommern der Teich trocken. Umgekehrt seien aber auch Starkregen und Orkane eine Gefahr, die für viele Pflanzen tödlich werden könne.