Düsseldorf (epd). Weniger als die Hälfte der in der Privatwirtschaft beschäftigten Arbeitnehmer erhält nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung Urlaubsgeld. Nach einer Online-Befragung des Internet-Portals Lohnspiegel.de bekommen nur 44 Prozent der Beschäftigten diese zusätzliche Leistung, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung am Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Von den tarifgebundenen Betrieben zahlen 73 Prozent den Beschäftigten ein Urlaubsgeld, die übrigen nur zu 35 Prozent.
Neben der Tarifbindung spielen dabei laut WSI unter anderem die Betriebsgröße und der Standort des Unternehmens eine Rolle. Von den Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zahlen 61 Prozent Urlaubsgeld, bei den kleineren Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten sind es nur 37 Prozent. In Westdeutschland erhalten demnach 46 Prozent der Arbeitnehmer das zusätzliche Entgelt, in Ostdeutschland dagegen nur ein Drittel.
Als Ursachen führt die Böckler-Stiftung an, dass größere Betriebe häufiger tarifgebunden sind als kleinere und in Ostdeutschland die Tarifbindung niedriger ist als im Westen. Zudem profitieren Frauen mit 39 Prozent weniger vom Urlaubsgeld als Männer (49 Prozent). Insgesamt hatte das Portal Lohnspiegel.de den Angaben zufolge von Mai 2025 bis Ende Mai 2026 rund 50.000 Arbeitnehmer befragt.
Höhe des tariflichen Urlaubsgeldes hat große Spannbreite
Wie hoch das tarifliche Urlaubsgeld ausfalle, hänge von den Regelungen in den einzelnen Tarifverträgen ab, hieß es. Die Spannbreite reicht von 186 Euro bei den Beschäftigten in der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 2.904 Euro für Angestellte der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie in Westfalen-Lippe, wie das WSI-Tarifarchiv ermittelte.
Das Institut weist außerdem darauf hin, dass es in einigen Branchen oder Großunternehmen mit bundesweiten Tarifverträgen beim Urlaubsgeld keine Ost-West-Unterschiede mehr gebe. Dazu zählten zum Beispiel das Versicherungsgewerbe, das Gebäudereinigungshandwerk und die Deutsche Bahn AG. Auch in der Druckindustrie und der Chemischen Industrie gibt es demnach ein einheitliches Urlaubsgeld.



