Frankfurt a.M. (epd). In der Debatte um digitale Gewalt hat die Schauspielerin Collien Fernandes Deutschland als „absolutes Täterparadies“ bezeichnet. Ihr sei es wichtig, „darauf hinzuweisen, welche gesetzlichen Schutzlücken es gibt“, sagte Fernandes am Freitagabend in den „Tagesthemen“. „Ich habe selbst Erfahrungen damit gemacht, dass wenn man das Thema zur Anzeige bringt, diese Anzeige nicht weiterverfolgt wird.“ Fernandes sprach von einem „Justizversagen“.
Fernandes wehrt sich seit einigen Jahren gegen sogenannte Deepfake-Videos von sich mit pornografischen Inhalten und hat die Bedrohung durch digitale Gewalt an ihrem eigenen Beispiel öffentlich gemacht. Inzwischen hat sie eine Person in ihrem nächsten familiären Umfeld angezeigt und wirft ihr unter anderem Identitätsdiebstahl und sexualisierte Gewalt vor.
Regierung will Erstellen von Deepfake-Pornos unter Strafe stellen
Sie habe sich bewusst dafür entschieden, die Anzeige in Spanien zu erstatten, weil dort die Rechte von Frauen deutlich besser geschützt würden als in Deutschland, sagte Fernandes in den „Tagesthemen“. Dies sei möglich gewesen, weil der Täter in ihrem Fall seinen Hauptwohnsitz in Spanien habe.
Das Bundesjustizministerium hatte am Freitag angekündigt, schnell ein Gesetz gegen Porno-Deepfakes vorzulegen. Ministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte in den „Tagesthemen“, das Gesetz solle „das Herstellen, Teilen und Verbreiten“ derartiger Darstellungen unter Strafe stellen. Auch solle das Sperren von Täter-Accounts auf richterliche Anordnung erleichtert werden.
Die nordrhein-westfälische Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur betonte die Dringlichkeit einer wirksamen gesetzlichen Regelung. Deepfakes seien längst kein Nischenthema mehr, schrieb die Grünen-Politikerin in einem Gastbeitrag für die Düsseldorfer „Rheinische Post“ (online, Montag Print).
Demo am Brandenburger Tor
Wer ein gefälschtes, sexualisiertes Bild einer Frau ins Netz stelle, zerstöre deren Würde und Sicherheit. „Oft mit denselben Folgen wie physische Gewalt“, betonte Neubaur. Strafrecht müsse das abbilden. Das Land NRW wolle deshalb das Sexualstrafrecht dahingehend reformieren, dass digitale und physische Gewalt gleichgestellt werden. Gebraucht würden zudem bundesweit spezialisierte Gerichte für analoge wie digitale sexuelle Gewalt, wie es sie in etwa in Spanien gebe.
Fernandes bedankte sich am Samstag in einem Instagram-Post für die Unterstützung, die sie in den vergangenen Tagen erhalten habe. „Lasst uns LAUT sein und LAUT bleiben!“, schrieb die Schauspielerin und rief zur Teilnahme an einer für Sonntagnachmittag am Brandenburger Tor in Berlin geplanten Demonstration gegen sexualisierte Gewalt auf.



