Universität Tübingen ehrt Navid Kermani für "Rede des Jahres 2014"

Der deutsch-iranische Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani (47) hat die "Rede des Jahres 2014" gehalten.

Das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen zeichnet Kermani für seine Rede zum 65. Jubiläum des Grundgesetzes am 23. Mai im Deutschen Bundestag aus, wie die Universität am Donnerstag mitteilte. In seiner Rede verbinde Kermani eine geistreiche Würdigung des Grundgesetzes mit einer deutlichen Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik, heißt es in der Würdigung der Jury.

Dem Schriftsteller sei "eine intellektuell brillante, literarisch feinsinnige und emotional überzeugende Rede" gelungen, die die Grenzen konventioneller Gedenkrhetorik sprenge. Kermani habe die Gründungsväter des Grundgesetzes, die Mitglieder des Parlamentarischen Rates, von einer imaginären "himmlischen Ehrentribüne" aus auf die Gedenkstunde blicken lassen. Fast unmerklich habe er das Lob der Gründungsväter in eine Kritik an ihren Enkeln verwandelt.

Kermani hatte in seiner Rede zugleich scharfe Kritik an einer "Entstellung" des Asylrechts geübt. Im Jahr 1993 habe Deutschland das Grundrecht auf Asyl "praktisch abgeschafft" und dies hinter "einer monströsen Verordnung aus 275 Wörtern, die wüst aufeinandergestapelt" wurden, versteckt, hatte der Schriftsteller erklärt.

Kermani wurde 1967 in Siegen als Sohn iranischer Eltern geboren und studierte Orientalistik, Theaterwissenschaft und Philosophie. Der verheiratete Vater zweier Kinder ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie der Akademie der Wissenschaften in Hamburg.

Die Auszeichnung "Rede des Jahres" wird seit 1998 vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen vergeben und ging seitdem unter anderem an Gregor Gysi, Jean Ziegler, Joschka Fischer und Margot Käßmann. Mit diesem Preis würdigt das Seminar jährlich eine Rede, die die politische, soziale oder kulturelle Diskussion entscheidend beeinflusst hat.

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