Traditionelles Backwerk soll Ostersegen verbreiten

Traditionelles Backwerk soll Ostersegen verbreiten
An Ostern endet die Fastenzeit, Leckereien gehören seit ehedem zu dem Fest. Das sind natürlich vor allem bunt gefärbte Ostereier, Schokohasen und Konfekt. Aber auch traditionelles Backwerk gibt es noch in vielen Regionen: Eierbrote und Eiermänner, gebackene Hühner, Hähne, aber auch Sonnenräder, Brezeln und Teigpuppen, Kränze, geflochtene Zöpfe, gezuckerte Lämmchen, Osterkipferl und Osterkuchen. Einigen solcher "Gebildbrote" wurden einst sogar magische Kräfte zugeschrieben.

Die bis heute bekannten Teiglämmer - früher stets mit einem "Auferstehungsfähnlein" ausgestattet - weisen direkt auf die biblische Bedeutung des Osterfestes hin. Das gilt auch für die in Pilzform gebackenen russischen Osterkuchen: Sie werden mit den Initialen "CW - Christos Woskresj" (Christus ist auferstanden) verziert.

Demgegenüber erinnern österliche Sonnenräder, Zopfkuchen und eiertragende Teigtiere und Teigpuppen wie die gebackenen Osterhasen eher an alte Opfergaben und Geschenke, die die Fruchtbarkeit fördern sollten. Generell waren beim Verschenken der gebackenen Ostergaben Anstands- oder Standesregeln wichtig. So wurde zwar für den eigenen Hausgebrauch ein großes, zumeist aus Weißmehl und besonderen Zutaten gebackenes Osterbrot zur Weihe getragen und später gemeinsam verzehrt. Für Bedürftige und fremde Kinder war es vielerorts jedoch üblich, lediglich kleine Roggenbrote oder -brötchen zu backen und zu verteilen.

Hunsrück: Roggenbrötchen und zwei Eier

Traditionell tauschten Paten und ihre Patenkinder zu Ostern Backwerk aus. Während beispielsweise im Hunsrück die Patenkinder ein Roggenbrötchen und zwei Eier erhielten, stand den Paten ein Stück Kuchen und ein Ei zu. In Franken war ein Pumpernickel-ähnliches "Godenbrot" aus Roggenmehl und Honig das österliche Taufpatengeschenk.

Auch Dienstboten und Gemeindehirten, dem Lehrer und dem Ortsgeistlichen stand ein besonderes "Osterstück" in Gestalt eines "Osterlaibl" oder "Osterfladen" zu. Im "Weltbuch" des Sebastian Frank heißt es jedenfalls bereits im 16. Jahrhundert im Blick auf das Ostergebäck: "Es schenkt?s ein Nachbar dem anderen, ihn damit zu ehren."

Osterbrot schützt vor Heimsuchungen

Altem Volksglauben zu Folge sollte der Verzehr eines Osterwecken, vor allem wenn er in der Ostermesse geweiht worden war, gegen Anfechtungen und Heimsuchungen aller Art schützen. Mancherorts hat man aus diesem Grund sogar eigens für das Vieh gebackene Osterbrote verfüttert, damit auch wirklich jedes Tier im Stall seinen Anteil am "Ostersegen" abbekam. Mitunter wurde auch ein Teil der vom Osterbrot abgeschnittenen und zu einem Kreuz zusammengefügten Rinde unter die Türschwelle gelegt, damit jeder, der das Jahr über hinein- oder hinausging, die "Osterweih" überschreiten musste.

Im alten Böhmen war es Brauch, die Brösel vom Osterkuchen mitsamt den Eierschalen unter Obstbäumen zu vergraben und anschließend kräftig an den Baumstämmen zu rütteln. Volkstümlicher Überlieferung nach sollte dadurch der Fruchtansatz gefördert werden. Insbesondere den einstmals üblichen ungesäuerten Osterbroten, die an die jüdische Pessachtradition erinnern, sagte man auch eine medizinische Wirkung nach. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts heißt es in einem alten Kräuterbuch, dass dieses Brot - mit Essig zu einem Brei verkocht - gegen Seitenstechen zu verordnen sei.

epd

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