Zeichen der Ökumene am Buß- und Bettag

Zeichen der Ökumene am Buß- und Bettag
Mit einem großen ökumenischen Gottesdienst vor rund 700 Gläubigen in der Konstantin-Basilika zu Trier haben die Evangelische Kirche im Rheinland und das Bistum Trier den Buß- und Bettag begangen. Es war der erste der traditionellen Buß- und Bettags-Gottesdienste, den der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, in neuer Funktion als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland gestaltete und das erste Mal, dass der Trierer Bischof Stephan Ackermann in der Konstantin-Basilika predigte.

Bischof Stephan Ackermann setzte sich in seiner Predigt mit dem Verständnis von Sünde auseinander, die er als Selbstverschlossenheit bezeichnete. „Sünde ist die Verweigerung, sich einem anderen zu verdanken“, sagte der Bischof. Daraus folgten Ungerechtigkeit und Selbstgerechtigkeit. Gott habe das Ziel, den Menschen aus seiner Selbstverschlossenheit zu befreien, so der katholische Theologe. Mit Blick auf die ökumenischen Beziehungen der katholischen und evangelischen Kirche sagte Bischof Ackermann: „Wir brauchen den wechselseitigen Dienst der Fürbitte, wir brauchen das Leiden an der Sünde der Trennung und wir brauchen das miteinander Tragen.“

Der Gottesdienst stand unter dem Leitwort: „Es ist kein Ansehen der Person vor Gott“. Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung von Kreiskantor Martin Bambauer, der Orgelwerke von Johann Sebastian Bach spielte. Der ökumenische Buß- und Bettags-Gottesdienst findet seit 1971 abwechselnd im Dom und in der Basilika statt.

Bei einem anschließenden Empfang berichtete der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Trier, Christoph Pistorius, wie die Vielzahl von Struktur- und Veränderungsprozessen in den Gemeinden beider Konfession zu Ermüdungserscheinungen führe. „Wir erleben es, dass auch die Luft ausgeht für Ökumene“, sagte der Superintendent. Das sei aber theologisch bedenklich, so Pistorius weiter, denn Ökumene sei keine Zusatzaufgabe, sondern eine „Dimension von Kirche“. 

Bischof Stephan Ackermann sprach davon, dass die katholisch-evangelischen Beziehungen in eine Phase der „nüchternen Arbeit“ eingetreten seien, die die Kirchen gleichwohl dem Ziel der Einheit näher bringe. Der Bischof sagte, er erwarte, dass von dem gemeinsamen Zugehen auf die Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 in Trier ein Signal für die Ökumene ausgehe. „Wir dürfen nichts erzwingen, aber alles erhoffen“, sagte Stephan Ackermann. 

Präses Nikolaus Schneider stellte eine intensive Beteiligung der Evangelischen Kirche im Rheinland in Aussicht an der Wallfahrt. Evangelische Vorbehalte dagegen seien längst ausgeräumt. „Wir wollen das als Zeichen dafür sehen, dass wir als Kirchen gemeinsam unterwegs sind“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Der Rock erinnere daran, dass die Christenheit einmal ungeteilt gewesen sei. „Wir sind dazu herausgefordert, uns um diese Einheit zu bemühen, und wir wollen das unsere dazu tun“, so Schneider weiter.