Hüft- und Knieoperationen verursachen hohe Kosten

Hüft- und Knieoperationen verursachen hohe Kosten
Steigende Zahlen bei Hüft- und Knieoperationen samt Rehabilitation verursachen mittlerweile Kosten von 3,5 Milliarden Euro. Bei Knieprothesen sprechen die Experten einer neuen Studie sogar schon von "Überversorgung".

Psychische Erkrankungen sind inzwischen für die meisten Behandlungstage in den deutschen Kliniken verantwortlich. Das geht aus dem Krankenhausreport 2010 der Barmer GEK Krankenkasse hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Außerdem steigen die Ausgaben für Hüft- und Knieoperationen stark an.

Psychische Störungen sind dem Krankenhausreport zufolge die Ursache für 17,2 Prozent aller Behandlungstage. Vor zwanzig Jahren waren es noch weniger als halb so viele. Frauen bleiben im Durchschnitt 26 Tage in der Klinik, Männer 20 Tage. Ein Viertel der psychischen Störungen wird durch Alkoholprobleme ausgelöst.

Bei körperlichen Erkrankungen dauert eine stationäre Behandlung demgegenüber fünf bis zehn, im Durchschnitt 8,5 Tage. Während die Menschen immer kürzer im Krankenhaus sind, nimmt gleichzeitig aber die Zahl der Einweisungen zu.

Überversorgung bei Knieprothesen?

Das IGES-Institut, das die nach Auskunft der Forscher repräsentative Untersuchung erstellt hat, hob die stark steigende Zahl der Hüft- und Knieoperationen hervor. Im vorigen Jahr verursachten sie Kosten von rund 3,5 Milliarden Euro für das Einsetzen von insgesamt 385.000 Hüft- und Knieprothesen, für Folgeeingriffe und Reha-Behandlungen. Das entspricht rund zwei Prozent der gesamten Ausgaben der Krankenkassen. In den vergangenen sieben Jahren haben die Knieoperationen um 52 Prozent zugenommen, die Hüftoperationen um 18 Prozent.

Nur ein Teil der Eingriffe sei auf die Alterung der Gesellschaft zurückzuführen, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker. Unabhängig von der demografischen Entwicklung wurden im vorigen Jahr 40 Prozent mehr Knieprothesen eingesetzt als 2003. Diese Steigerung lasse eine "Überversorgung" vermuten, sagte Schlenker.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der Münchner Tageszeitung "tz" (Mittwochsausgabe), es gebe zu viele Kliniken, die Hüftgelenks- und Knieoperationen anbieten dürften. Dieser Markt schaffe selbst eine Nachfrage. Demgegenüber rechtfertigte der Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Rudolf Henke, in der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe), den Anstieg der Operationszahlen. Die Bereitschaft der Menschen, sich mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen abzufinden, gehe zurück, sagte Henke.

epd