„Kommt ihr denn wirklich wieder?“

„Kommt ihr denn wirklich wieder?“
Was ist bunt und hat eine rote Nase? Unverwechselbar ein Clown, das weiß jedes Kind. Auch Senioren mit Demenzerkrankung erkennen die bunten Spaßvögel wieder. Mit roter Nase, Geige und viel Einfühlungsvermögen zaubern Gustav und Clara jetzt regelmäßig ein Lächeln auf die Gesichter im Johannes-Haus.

Die beiden Clowns haben sich in der Alteneinrichtung des Ev. Johanneswerks eine Werkstatt mit Büro und einen Requisitenraum eingerichtet. Anstelle von Miete besuchen sie einmal im Monat die Bewohner. Ab Herbst soll auch Theater im großen Saal für Bewohner und die Menschen aus dem Quartier auf dem Programm stehen.

Ein unbeschwerter Zugang zu den Menschen

Seit drei Jahren sind Clara und Gustav als Clownspärchen unterwegs. Clara heißt eigentlich Susanne Bentrup, ist Geigenlehrerin und hat sich zum Klinikclown fortbilden lassen. Ihr Mann (Gustav) hört auf den Namen Andreas Bentrup. Er ist seit sieben Jahren als Clown unterwegs, Theaterpädagoge und ausgebildeter Schauspieler.

„Clowns haben einen freieren, unbeschwerteren Zugang zu Menschen. Auch wenn Senioren unterschiedlich auf die Clowns reagieren, finden wir immer einen Weg zur Kontaktaufnahme“, sagt Andreas Bentrup. Singen würde meistens das Eis brechen. Ein Gespräch, ein mitfühlender Blick oder einfache Präsenz würden in Alteneinrichtungen mehr bewirken als lautes Tohuwabohu.

Aus der Isolation locken

Durch ihre Orientierungslosigkeit erschrecken Demenzkranke häufig – um nicht aufzufallen, ziehen sie sich zurück. Mit ihrer unbeschwerten, kontaktfreudigen Art locken Clowns die Menschen aus ihrer Isolation und tasten sich spielerisch heran. Fällt Demenzkranken die verbale Artikulation schwer, schaffen die Clowns ohne viele Worte eine Verständigungsbrücke.

Mal reicht eine Berührung, mal weckt eine bekannte Melodie Erinnerungen. Das Schamgefühl oder die Angst der demenziell erkrankten Menschen, etwas Falsches zu tun oder zu sagen überspielen die Clowns mit ihrer charakteristischen Tollpatschigkeit, die sie so liebenswert macht.

Der letzte Gentleman mit Hosenträgern

Picknickdecke, Gummischweine und Rassel-Früchte – alles ist eingepackt für den ersten Ausflug der Clowns zu den Senioren im Johannes- Haus. Aufmerksam verfolgen die Bewohner die schillernden Besucher ihrer Hausgemeinschaft. Damit jeder sie sehen kann, ist Clara auf den Tisch geklettert. Doch wer hilft ihr jetzt wieder herunter? Nach einem Gentleman suchend, streift ihr Blick durch den Raum. „Ach so nen Gentleman musste erst mal finden. Den gibt´s doch gar nicht mehr“, ruft Bewohnerin Christa Schröder.

Da eilt Gustav seiner Clara helfend entgegen und hebt sie vom Tisch. Die sieben Damen lachen schallend über den letzten Gentleman. Von solcher Situationskomik leben die Auftritte von Clara und Gustav. Sie studieren kein Programm ein, sondern achten auf die Gefühlsstimmung der Senioren. Die provozierenden Clowns aus dem Zirkus wollen alte Menschen nicht haben, viel lieber singen sie einen Schlager.

Oh-Gott, oh-Gott, der Karel Gott

Von den musikalischen Klassikern haben Clara und Gustav einige in petto. „Und diese Biene, die ich meine, die heißt Maja“, singt Gustav und lächelt Gertrud Jedermann mit klimpernden Wimpern an. „Ach, Oh-Gott- Oh-Gott, der Karel Gott“, schmunzelt die Seniorin. Hahn im Korb, Kurt Papendiek, gibt den brummenden Bariton. „So jetzt machen wir aber mal ne Männerrunde“, findet Gustav, zustimmend klopft Papendiek ihm für die Titelauswahl auf die Schulter: „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ – ein Klassiker.

Die Erinnerung an den blonden Hans lässt auch die Damenherzen höher schlagen. Da kann auch schon morgens um halb zehn geschunkelt werden. „Ach ist das schön. Kommt ihr denn mal wieder?“, fragt Jedermann. Mit der Antwort „nächsten Freitag“ hätte die Senioren nicht gerechnet. „Ihr kommt wirklich wieder?“ ruft sie mit strahlenden Augen. Momente, in denen Gustav und Clara wissen, dass sie ihren Job gut machen.

 

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