Copernicus: 1,5-Grad-Marke wird 2026 wohl überschritten

Copernicus: 1,5-Grad-Marke wird 2026 wohl überschritten
Die Staatengemeinschaft hatte sich 2015 in Paris das Ziel gesetzt, die Erderwärmung langfristig auf möglichst 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Im laufenden Jahr wird diese Schwelle im Schnitt voraussichtlich überschritten.

Bonn (epd). Die Erde wird sich laut dem EU-Klimadienst Copernicus in diesem Jahr 2026 mit großer Wahrscheinlichkeit um mehr als 1,5 Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau hinaus erwärmen. Die im Pariser Klimaziel vereinbarte 1,5-Grad-Grenze würde damit zum zweiten Mal im Jahresdurchschnitt überschritten, teilte Copernicus am Freitag in Bonn mit. Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hatten sich die Staaten darauf geeinigt, die Erderwärmung langfristig auf deutlich unter 2 Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad zu beschränken.

Eine dauerhafte Überschreitung des 1,5 Grad-Ziels hätte weltweit schwerwiegende Folgen, etwa weil Hitzewellen oder andere Extremwettereignisse wie Starkregen und Wirbelstürme zunähmen. Auch sind viele Ökosysteme gefährdet.

Wärmster Oktober seit Aufzeichnungsbeginn

Die Prognose beruht auf einer Auswertung von Klimadaten bis einschließlich Oktober. Dabei war der vergangene Monat laut Copernicus mit 15,35 Grad Celsius Durchschnittstemperatur der weltweit wärmste Oktober seit Aufzeichnungsbeginn. Die globale Durchschnittstemperatur lag demnach 1,75 Grad über dem vorindustriellen Referenzwert (1850-1900). Es war zudem der dritte Monat in Folge, in dem der Wert von 1,5 Grad überschritten wurde.

In Europa habe es den zweitwärmsten jemals gemessenen Oktober gegeben. Besonders warm war es demnach in Skandinavien und Osteuropa.

In weiten Regionen der Welt war es laut Copernicus überdurchschnittlich trocken, wie in Teilen Sibiriens, Südamerikas und des südlichen Afrikas. Zugleich sei es im Oktober unter anderem in Alaska, Teilen Chinas und Südostbrasilien sehr feucht gewesen. In mehreren Regionen hätten starke Niederschläge zu Überschwemmungen geführt.

Vierjahresschnitt über 1,5 Grad

Die Klimafachleute erwarten, dass die globale Durchschnittstemperatur auch von 2023 bis 2026 im Schnitt mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen wird. „Dass auch der Vierjahresdurchschnitt voraussichtlich 1,5 Grad Celsius überschreiten wird, verdeutlicht, wie anhaltend diese Phase der globalen Erwärmung geworden ist“, sagte Samantha Burgess, strategische Leiterin für Klima beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage.