Heinrich: "Auch die Synode ist eine Blase"

Anna-Nicole Heinrich spricht auf der 13. Synode
epd-bild/Heike Lyding
Die Demokratie werde heute von innen angegriffen - "von Leuten, die demokratisch gewählt werden und dann den Rechtsstaat aushöhlen", so die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich. (Archivfoto)
EKD-Synode berät zu Demokratie
Heinrich: "Auch die Synode ist eine Blase"
Vom 6. bis 11. November tagt die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Würzburg. Schwerpunkt ist das Thema Demokratie, das der scheidenden Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich am Herzen liegt.

Die evangelische Kirche soll laut der Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, noch mehr zu einem Ort für demokratischen Austausch und Orientierung werden. Die Demokratie werde heute von innen angegriffen - "von Leuten, die demokratisch gewählt werden und dann den Rechtsstaat aushöhlen", sagt sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). 

"Dagegen helfen Appelle allein nicht viel." Es brauche Orte, an denen Menschen erleben, dass man verschieden sein und trotzdem gut zusammenleben könne. "Davon haben Kirche und Diakonie Zehntausende, von der Dorfkirche über die Kita bis zum Pflegeheim." Bei der Jahrestagung des protestantischen Kirchenparlaments vom 6. bis 11. November in Würzburg wollen die Delegierten über die Frage debattieren, wie die Kirche mit ihren Ressourcen zur Demokratiebildung beitragen kann.

Erwartet wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Zuletzt hatten Theologen wie der Münchner Theologie-Professor Reiner Anselm argumentiert, die evangelische Kirche müsse stärker auf den Ausgleich von politischen Positionen hinwirken und auch selbstkritisch eigene Positionierungen hinterfragen. Heinrich sagt, dass man sich gemeinsam zur Demokratie bekenne, heiße nicht, dass man sich nur gegenseitig bestätige.

"Wie wir Demokratie stärken, welche Zumutungen eine offene Gesellschaft aushalten muss und wo Dialog an Grenzen kommt, darüber sind wir längst nicht alle einig. Und das wird man in Würzburg auch hören", sagt sie. "Aber ja, auch die Synode ist eine Blase. Sie ist größer und vielfältiger, als viele denken, und doch enger, als ich es mir wünsche." Dass der Bundespräsident auf der EKD-Synode für die Demokratie spreche, sei in diesen Zeiten ein starkes Zeichen.

Auch mit jenen Menschen zu reden, deren Positionen der Kirche fremd seien, sei richtig, sagt Heinrich. "Dass wir Gräben vertiefen, wenn wir Grenzen benennen, sehe ich aber nicht so." Tue man dies nicht, blieben am Ende ausgerechnet diejenigen draußen, die schon jetzt bedroht würden und nirgends sonst einen sicheren Ort hätten, sagt die 30-Jährige, die im April nicht noch einmal für das höchste Amt der evangelischen Kirche kandidieren möchte.