Hannover (epd). Der Reformationstag bietet nach den Worten des Bischofs Ralf Meister die Chance für eine Rückbesinnung auf das Wesentliche im evangelischen Glauben. Auch im Glaubensleben könne sich vieles ansammeln, was einmal hilfreich gewesen und irgendwann schwer geworden sei, erklärte der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands in einer am Samstag in Hannover veröffentlichten Online-Andacht. „Dann braucht es den Mut, neu zu fragen: Was trägt wirklich?“, sagte er.
Meister, der auch Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ist, zog dabei einen Vergleich zu einem technischen Neustart. Wenn sich digitale Programme gegenseitig blockierten und das System überladen sei, bleibe oft nur ein „Reset“ auf die Werkseinstellung. Was eingerichtet und gespeichert worden sei, gehe womöglich verloren, doch liege genau darin die Möglichkeit für einen Neuanfang. Ein solcher Schritt garantiere zwar nicht, dass danach alles reibungslos funktioniere, er eröffne aber die Chance, sich neu auszurichten.
Reformatoren entdeckten Kern neu
Die Reformation erinnert Meister zufolge daran, dass eine solche Erneuerung möglich ist. Die Reformatoren hätten wiederentdeckt, was im Laufe der Zeit unter vielem anderen verschüttet worden sei. „Wir müssen uns Gottes Zuwendung nicht verdienen. Wir leben aus seiner Gnade“, betonte der Bischof. Glaube sei kein Werk, mit dem sich Menschen etwas erarbeiten könnten, sondern das Vertrauen auf ein Geschenk.
Der Reformationstag erinnert an die Anfänge der Reformation vor rund 500 Jahren. Um den 31. Oktober 1517 herum veröffentlichte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen zum Ablasshandel. Seit 2018 ist der 31. Oktober in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein ein gesetzlicher Feiertag, in den neuen Bundesländern seit 1990.




