TV-Tipp: "Ostfriesentodesspiel"

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7. November, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Ostfriesentodesspiel"
Ein mörderischer Arzt auf der Flucht, eine Kommissarin im Urlaub und ein perfider Racheplan: Bernhard Sommerfeldt setzt seinen Feldzug gegen Ungerechtigkeit fort. Sven Schelker glänzt als charismatischer Rächer.

Wer seinen Mitmenschen das Leben zur Hölle macht, darf sich nicht wundern, wenn er Besuch vom Teufel bekommt: Das war der Handlungskern von "Ostfriesentotenstille" (2025). Männliche Hauptfigur des vierzehnten Ostfriesland-Krimis war ein praktischer Arzt, der vor allem von seinen Patientinnen verehrt wurde: attraktiv, eloquent, gebildet und ganz offenkundig ein Mensch, dem der Beruf Berufung ist.

Nach Feierabend allerdings verwandelte sich Dr. Jekyll in Mr. Hyde und suchte in einem furchterregenden Kostüm all’ Jene heim, die anderen Unrecht tun. Der Spuk endete, als Ann Kathrin Klaasen ihm das grausige Handwerk legte. "Ostfriesentodesspiel" (Episode Nummer sechzehn) setzt die Geschichte fort.

Dank eines raffinierten Plans gelingt Bernhard Sommerfeldt – der Name ist genauso falsch wie der Doktortitel – die Flucht aus dem Gefängnis, denn seine Mission ist noch nicht zu Ende. Klaasen (Picco von Groote) und Ehemann Frank (Tom Radisch) haben eigentlich Urlaub, aber dieser Fall ist wichtiger.

Das Drehbuch von Niels Holle, Stammautor der ARD-Krimireihe "Nord bei Nordwest", basiert auf gleich zwei Romanen von Klaus-Peter Wolf ("Totentanz am Strand" und "Todesspiel am Hafen"). Regie führte Marcus O. Rosenmüller, dessen Ostfriesland-Krimis allerdings längst nicht so fesselnd sind wie beispielsweise die Mehrzahl seiner "Taunus"- und "Schwarzwaldkrimis" (ebenfalls ZDF); das gilt auch diesmal.

Dass "Ostfriesentodesspiel" trotzdem sehenswert ist, liegt an Sven Schelker. Der Schweizer hat zuletzt schon im "Tatort" aus Kiel als korrupter Wirtschaftsermittler eine facettenreiche Leistung gezeigt und beeindruckt mit seinem schillernden Spiel auch diesmal wieder als Arzt, dem die Frauen vertrauen.

Die Zuneigung basiert nicht zuletzt auf seinem Sinn für Gerechtigkeit. Geschickt lässt Holle mit Hilfe von Radionachrichten einfließen, dass Sommerfeldt für eine "beispiellose Mordserie" verantwortlich ist. Seine Opfer waren ausnahmslos Männer, die Frauen Gewalt angetan haben.

So erklärt sich auch seine clever eingefädelte Flucht, wie Klaasen allerdings erst später erkennt. Die Kommissarin aus Norden ahnt, dass eine jener Verehrerinnen, die ihm einen ganzen Korb voller Fanpost ins Gefängnis geschickt haben, in die Aktion verwickelt sein muss.

Der vermeintlichen Arzt, der eigentlich Theißen heißt, hat sich bei Hannah Grün (Jule Böwe) versteckt, kann aber in letzter Sekunde entkommen. Auf welche Weise er die Frau über seinen Plan informiert hat, bleibt vorerst jedoch ein Rätsel.

Als die Reihe 2017 gestartet ist, damals noch mit Christiane Paul in der Hauptrolle, zeichneten sich die Ostfriesland-Krimis durch ein Alleinstellungsmerkmal aus: Klaasen wurde regelmäßig von Visionen heimgesucht, die ihr wichtige Hinweise zur Lösung ihrer Fälle lieferten. Dieses Elements bedienen sich die Filme kaum noch.

Rosenmüller hat ohnehin ein ungleich eleganteres Stilmittel gefunden: Als die Ermittlerin eine Zeugin befragt, ist die Szenerie plötzlich in tiefes Blau getaucht. Klaasen dreht sich um und wird auf diese Weise Zeugin eines Verbrechens, das sich einige Tage zuvor im selben Raum zugetragen hat; auch dieser Mann musste schließlich für seine Tat büßen.

Als leibhaftige Korrektur eines seiner Ansicht unvollkommenen Justizsystems dürfte dem Mörder erneut die Sympathie des Publikums gewiss sein. Der Prügelgatte von Hannah Grün entkommt seiner gerechten Strafe ebenfalls nicht, wobei die Umstände bei dieser Vergeltung durchaus überraschen: Wie schon in "Ostfriesentotenstille" übernimmt im letzten Akt Doktor Sommerfeldts verliebte Praxisassistentin Cordula (Milena Straube) die Initiative.

Der Film schlägt nun ohnehin eine völlig andere Richtung ein. Der im Schatten einer Tyrannin aufgewachsene Theißen will mit jener Frau abrechnen, die die Dämonin seiner unerfreulichen Kindheit war und ihn zum Sündenbock für eine Katastrophe gemacht hat.

Jetzt bringt Holle einen ganz neuen Aspekt ins Spiel, der nicht zuletzt die Vorliebe der Deutschen für Schnäppchen aufs Korn nimmt: Wer billige Textilien kauft, macht sich mitschuldig, wenn die Angestellten in den Produktionsstätten irgendwo in Afrika oder Asien unter widrigsten Bedingungen arbeiten müssen.

Diese Botschaft vermittelt der Film zwar unübersehbar, aber doch eher beiläufig, "Ostfriesentodesspiel" bleibt in erster Linie ein Krimi, der allerdings selbst dann nicht an den Nerven zerrt, als Theißen den Ehemann der Kommissarin entführt. Richtig spannend wird es erst gegen Ende, als die Polizei den Mörder über den Dächern von Bremerhaven in die Enge treibt.