Hitlers Teehaus - Kehlsteinhaus in Berchtesgaden abgebrannt

Hitlers Teehaus - Kehlsteinhaus in Berchtesgaden abgebrannt
Mutmaßlicher Brandstifter in psychiatrischer Klinik
Das abgebrannte Kehlsteinhaus in Berchtesgaden gehörte einst zum NS-Sperrgebiet Obersalzberg. Die Polizei vermutet Brandstiftung. Ein 33-Jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen. Die Dokumentation Obersalzberg ist von dem Brand nicht betroffen.
25.10.2026
epd
Von Judith Kubitscheck (epd)

Berchtesgaden (epd). Das von den Nationalsozialisten errichtete Kehlsteinhaus am Obersalzberg in Berchtesgaden ist in Flammen aufgegangen und dabei weitgehend zerstört worden. Ein 33-jähriger Mann steht nach Polizeiangaben unter dringendem Tatverdacht, den Brand gelegt zu haben. Das in 1.834 Metern Höhe gelegene, denkmalgeschützte Gebäude war 1937/38 gebaut worden. Es war in der NS-Zeit Teil des Führersperrgebietes Obersalzberg und lag etwa sechs Kilometer vom Berghof Adolf Hitlers entfernt.

Das seit 1952 als Berggaststätte genutzte Kehlsteinhaus sei bei dem Brand am Freitagabend „weitestgehend zerstört worden“, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage mit. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei niemand.

Lern- und Erinnerungsort nicht von dem Brand betroffen

Nach Angaben der Dokumentation Obersalzberg ist der Lern- und Erinnerungsort, der sich mit der Geschichte des Obersalzbergs und der NS-Diktatur auseinandersetzt, von dem Brand nicht betroffen. Der Leiter der Dokumentation Obersalzberg, Sven Keller, sagte dem epd auf Anfrage, auf die Arbeit der Dokumentation Obersalzberg werde der Brand wenig Auswirkungen haben. „Zu beklagen ist der Verlust materiellen historischen Erbes gleichwohl, es anzuzünden ist keine Lösung“, unterstrich der Historiker. Dies sei kriminell.

„Auch wenn es ein schwieriges Erbe ist: Man verliert damit die Chancen für Geschichtsvermittlung und Aufklärung, die ein verantwortungsvoller Umgang damit bietet. Solche Orte wecken Interesse, sie bieten Reibungsfläche und Diskussionsanlässe“, sagte Keller, der auch Abteilungsleiter im Institut für Zeitgeschichte München-Berlin ist. Das Gebäude habe das Kriegsende praktisch unbeschadet überstanden.

33-Jähriger unter dringendem Tatverdacht

Ein 33-jähriger Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit steht nach Polizeiangaben unter dringendem Tatverdacht, den Brand gelegt zu haben. Der Mann, der seinen Wohnsitz in Berlin hat, wurde am Freitagabend zunächst vorläufig festgenommen, weil er Einsatzkräften der Feuerwehr als verdächtige Person im Umfeld des Brandortes auffiel. Diese Verdachtsmomente hätten sich im Laufe des Samstags erhärtet, gegen ihn bestehe dringender Tatverdacht.

Da in einem Kurzgutachten eines psychiatrischen Sachverständigen eine psychische Erkrankung des Beschuldigten diagnostiziert wurde, habe die Staatsanwaltschaft einen Antrag auf einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gestellt. Der Ermittlungsrichter sei dem Antrag gefolgt. Der Mann sei in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht worden. Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei zu den Hintergründen und dem Motiv der Tat dauerten an, so das Polizeipräsidium.

Historiker: Teehaus sollte Gäste beeindrucken

Das Teehaus auf dem Kehlstein wurde 1937/38 als Ausflugsziel für Adolf Hitler gebaut, der es laut Keller allerdings nur selten nutzte. „Wir wissen nur von 14 Besuchen, er brachte vor allem ausländische Staatsmänner, Diplomaten und Journalisten hinauf“, sagte der Historiker. Das Kehlsteinhaus sei Überwältigungsarchitektur: „Die Gäste sollten durch die Bergkulisse beeindruckt werden - und auch durch die technische Leistung, mit der man sich dort die Natur untertan gemacht hatte.“