"Sicherheit um jeden Preis? Der Nahostkonflikt als friedensethische Herausforderung", so lautete das Thema des 5. Ökumenischen Friedensdialogs am Freitag, 23. Oktober, zu dem die Deutsche Kommission Justitia et Pax und die Evangelische Friedensarbeit im Raum der EKD geladen haben. Schritte hin zum Frieden seien nur möglich, wenn die Konfliktparteien vom "rein militärischen Sicherheitsdenken" und der Logik des Aufrüstens wegkommen, sagte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Friedrich Kramer.
Es gebe keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Friede müsse gewagt werden, auch auf die Gefahr hin, zu scheitern, führte Kramer aus. Das "dynamische Leitbild" der EKD-Friedensdenkschrift von 2025 ("Welt in Unordnung") erlaube es dabei, kleine Schritte zu denken. Auch wenn der Krieg das Leben im Krisengebiet insgesamt bestimme, lohne es sich, Gewalt, Unfreiheit und Not vor Ort bekämpfen, sagte Kramer sinngemäß. Doch nur wer die große Perspektive vor Augen habe, sehe diese Möglichkeiten im Kleinen.
Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hat die Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland verurteilt. Nach einer Reise nach Israel blickt der Paderborner Erzbischof mit Sorge auf die Lage in Israel und Palästina. Während der derzeit laufenden Olivenernte komme es zu vermehrten Angriffen radikaler Siedler im Westjordanland. Den palästinensischen Familien werde der Zugang zu ihren Hainen verwehrt, Olivenbäume würden umgehauen, Grundstücke besetzt.
"Das Vorgehen der radikalen israelischen Siedler ist völkerrechtswidrig und muss klar und unmissverständlich verurteilt werden"
Diese Ernte sei für die Familien nicht nur wirtschaftlich wichtig, sondern auch Teil ihrer kulturellen Identität. "Im Schatten von Gaza vollzieht sich dort ein Unrecht, das von der Öffentlichkeit nicht ausreichend wahrgenommen wird", sagte er. Das Vorgehen der radikalen israelischen Siedler sei völkerrechtswidrig und müsse "klar und unmissverständlich verurteilt werden", sagte Bentz.
"Solche Attacken und fehlende Konsequenzen durch die israelischen Sicherheitskräfte entziehen den Familien ihre Existenzgrundlage. Sie stehen in eklatantem Widerspruch zum Existenzrecht des palästinensischen Volkes, das ebenso wenig wie das Existenzrecht Israels von irgendjemand infrage gestellt werden darf."
"Für einen politischen Richtungswechsel werde aber das Abschneiden der rechtsextremen Kräfte entscheidend sein"
Die Siedler wollten vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober "im wahrsten Sinne des Wortes mit aller Gewalt" auf sich aufmerksam machen, sagte Bentz. Die bevorstehende Parlamentswahl dürfte ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seinem Herausforderer Gadi Eizenkot werden. Für einen politischen Richtungswechsel werde aber das Abschneiden der rechtsextremen Kräfte entscheidend sein.
Zugleich dürfe man sich von einem möglichen Regierungswechsel nicht zu viel versprechen: Netanjahus Konkurrent, Gadi Eizenkot, habe sich jüngst auch zu Siedlungsprojekten im Westjordanland bekannt. Auch eine Zweistaatenlösung lehne er klar ab. "Es wird deutlich, wie tief gespalten und traumatisiert die israelische Gesellschaft ist", sagte Bentz.
"Christinnen und Christen werden durch den Konflikt zerrieben"
Der Erzbischof äußerte sich zudem besorgt über die Abwanderung von Christen aus dem Westjordanland. Gerade junge Menschen bräuchten neben Bildung auch wirtschaftliche Perspektiven sowie Sicherheit und Freiheit, um in ihrer Heimat bleiben zu können, sagte er. Christinnen und Christen würden durch den Konflikt zerrieben.
Seit 2021 laden die Deutsche Kommission Justitia et Pax und die Evangelische Friedensarbeit regelmäßig zum Friedensdialog ein. Die Veranstaltung wechselt jährlich zwischen Osnabrück und Münster, den Städten, in denen 1648 der Westfälische Friede beschlossen wurde.




