Auschwitz-Überlebender Hermann "Mano" Höllenreiner gestorben

Auschwitz-Überlebender Hermann "Mano" Höllenreiner gestorben
Als Kind wurde Hermann "Mano" Höllenreiner in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Das Internationale Auschwitz Komitee würdigte ihn zu seinem Tod Mitte Oktober als einen "großen Zeitzeugen". Er wurde 92 Jahre alt.
19.10.2026
epd
Von Stephan Cezanne und Susanne Rochholz (epd)

Berlin (epd). Der deutsche Sinto und Auschwitz-Überlebende Hermann „Mano“ Höllenreiner ist tot. Wie das Internationale Auschwitz Komitee am Montag in Berlin mitteilte, starb Höllenreiner bereits am Freitag kurz vor seinem 93. Geburtstag im bayerischen Mühldorf am Inn.

Höllenreiner sei ein „großer Zeitzeuge“ gewesen, der von den Schrecken von Auschwitz, von den Tätern und Opfern, vor allem aber von der anhaltenden Diskriminierung der Sinti und Roma in Europa eindringlich berichtet habe. Auschwitz-Überlebende in aller Welt dankten ihm für seinen Mut und seine Menschlichkeit.

Leben gegen das Vergessen

Höllenreiner sei neun Jahre alt gewesen, als er im Frühjahr 1943 mit seiner gesamten Familie in das sogenannte „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau deportiert wurde, erinnerte das Internationale Auschwitz Komitee. Im Januar 1945 sei es ihm gelungen, von einem der Todesmärsche zu fliehen: „Französische Überlebende nahmen den völlig entkräfteten und schwerst kranken Jungen mit nach Frankreich, um ihm ein Weiterleben zu ermöglichen.“

Anhand seiner in Auschwitz tätowierten Häftlingsnummer konnte seine Herkunft geklärt werden, hieß es. Daraufhin wurde er mit überlebenden Angehörigen seiner Familie in Deutschland zusammengeführt. „Mano Höllenreiners Lebens- und Leidensgeschichte reicht für mehr als ein Leben aus. Was er als Kind in Auschwitz mit eigenen Augen sah und was ihm als Kind angetan wurde - über viele Jahrzehnte seines Lebens hat er darüber nicht zu sprechen gewusst“, erklärte Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees.

Porajmos: NS-Völkermord an Sinti und Roma

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) erinnerte laut einer Mitteilung an „das unermessliche Leid, das den Sinti und Roma unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zugefügt wurde und in der deutschen Erinnerungskultur lange zu wenig Beachtung fand“. Die Lebensgeschichte von Höllenreiner stehe stellvertretend für dieses Schicksal.

„Sein Leben und Wirken mahnen uns, die Erinnerung an den Porajmos, den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma, wachzuhalten“, appellierte Weimer an die Öffentlichkeit. Er rief zudem dazu auf, „Antiziganismus und jeder Form von Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten“.