Berlin (epd). Kriege und Konflikte beeinträchtigen die globale Ernährungssicherheit. Nach rund zwei Jahrzehnten deutlicher Fortschritte habe der Hunger wieder zugenommen, teilte die Welthungerhilfe am Mittwoch in Berlin mit. Der Welthunger-Index liege in diesem Jahr bei 18,1 und damit über dem Referenzwert von 2018 (17,6). Auf der Skala bis hundert steht null für gar keinen Hunger.
Haupttreiber der sich verschlechternden Ernährungssituation sind laut Welthungerhilfe neben der Klimakrise Kriege und Konflikte. „Sicherheit wird zu oft nur militärisch gedacht. Dabei ist Ernährungssicherheit eine Voraussetzung für Frieden und Stabilität“, sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme. Kriege führten oft zu Hunger, der wiederum Konflikte verschärfen könne. Die Entwicklungshilfeorganisation geht derzeit von 65 bewaffneten Konflikten aus. Das sei die höchste Anzahl seit 1946.
Lage südlich der Sahara besonders ernst
Die Welthungerhilfe fordert daher, Ernährungssicherheit künftig in der Sicherheitspolitik verankern und langfristig in resiliente und nachhaltige Ernährungssysteme zu investieren. Ferner müssten auch Informationssysteme zur Ernährungssicherheit sowie die Krisenprävention gestärkt werden. Größeres diplomatisches Engagement könne helfen, künftig konfliktbedingten Hunger zu verhindern.
Dem Index zufolge hat sich die Hungersituation seit 2018 in 32 Ländern verschlechtert. Von den acht Staaten mit einem sehr ernsten Hungerniveau (Index zwischen 35,0 und 49,9) befinden sich sieben südlich der Sahara auf dem afrikanischen Kontinent. Dort liegt auch das Land mit dem höchsten Welthungerindex, Somalia (47).
Frage der politischen Prioritäten
In mehreren Ländern hat sich die Ernährungssituation aber auch verbessert. So sei der Welthunger-Index etwa in Uganda um 8 Punkte auf einen Wert von 20,7 gefallen, hieß es. Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, führt solche positiven Entwicklungen vor allem auf politische Stabilität und Investitionen in humanitäre Hilfe zurück. „Das zeigt, dass Hunger absolut vermeidbar und eine Frage der politischen Prioritäten ist“, sagte er.
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sprach angesichts des Welthunger-Indexes von einem Alarmsignal. „Im Sudan herrscht die größte Hungerkrise der Welt und auch im Jemen hungert die Hälfte der Bevölkerung“, erklärte sie. Das zeige, dass Hunger häufig eine Folge von Kriegen und damit ein grundsätzlich lösbares Problem sei.
Vollständiger Index liegt für 122 Länder vor
Die Welthungerhilfe hat den jährlichen Index mit dem Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht sowie der Entwicklungshilfeorganisation Helvetas erstellt. Die Erhebung misst den Welthunger auf Basis öffentlich zugänglicher Daten aus den Jahren 2021 bis 2025. Vier Werte liegen zugrunde: Unterernährung, Wachstumsverzögerung und Auszehrung bei Kindern sowie Kindersterblichkeit.
Wegen unterschiedlicher Datenlagen und Referenzwerte ist kein direkter Vergleich mit den Vorjahren möglich. Der vollständige Index konnte in diesem Jahr für 122 Länder ermittelt werden. Unter anderem für Gaza und den Jemen war das den Angaben nach nicht vollumfänglich möglich.




