Steiler Anstieg bei Zahl der Kriegsdienstverweigerer

Ein Wehrpass der Bundeswehr aus dem Jahr 1975 mit dem Eintrag "anerkannter Kriegsdienstverweigerer"
Uwe Lein/dpa
Bis Ende August gingen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben mehr als 12000 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ein.
Zahl der Anträge verdreifacht
Steiler Anstieg bei Zahl der Kriegsdienstverweigerer
Die Wehrpflicht in Deutschland ist zwar ausgesetzt. Doch angesichts der Sicherheitslage des Landes und seit Beginn der Wehrerfassung hinterlegen immer mehr junge Menschen: Sie wollen keinen Dienst mit der Waffe leisten.

Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt deutlich an. Bis Ende August gingen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben 12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ein, wie die Behörde auf Anfrage am Dienstag bestätigte. Das waren bereits mehr als dreimal so viel wie im Gesamtjahr 2025, als es 3.879 Anträge gab.

Mit dem Start der Wehrerfassung aller 18-Jährigen zu Jahresbeginn haben sich die Zahlen somit noch einmal deutlich erhöht. Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht gab es zunächst nur wenige hundert Anträge pro Jahr. 2022 näherte sich ihre Zahl wieder dem vierstelligen Bereich, 951 waren es damals. 2023 waren es dann 1.079. 2024 zählte das Bundesamt 2.249 Anträge.

Eine Sprecherin des Bundesamtes betonte: "Unabhängig von der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht bleibt das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen gemäß Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes zu verweigern, bestehen." Sie bestätigte die Zahlen, über die zunächst die Funke Mediengruppe und das "RedaktionsNetzwerk Deutschland" berichtet hatten.

Seit 1. Januar werden alle jungen Menschen kurz nach ihrem 18. Geburtstag angeschrieben, um ihr Interesse an einem Dienst in der Truppe abzufragen und sie zu erfassen. Männer müssen den Fragebogen ausfüllen, Frauen ist es freigestellt. Die im Grundgesetz verankerte Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt. Allerdings soll auf freiwilliger Basis die Zahl der Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr erhöht werden.

Falschinformationen im Internet

Die Behörde sprach dem Funke-Bericht zufolge von Problemen bei den Anträgen. Derzeit werde eine "hohe Zahl an fehlgeleiteten Anträgen beobachtet, die mit nicht anerkennungsfähigem Inhalt eingehen und unbearbeitet zurückgesandt werden müssen", sagte eine Sprecherin den Zeitungen. Es kursierten Falschinformationen zum Weg und Inhalt einer Antragstellung auf Kriegsdienstverweigerung, unter anderem in den sozialen Medien.

Die Sprecherin erläuterte dem Evangelischen Pressedienst (epd), über den Antrag könne entschieden werden, wenn folgende Dokumente vorliegen: ein kurzes Anschreiben mit Berufung auf das Grundrecht der Kriegsdienstverweigerung und Unterschrift, ein vollständiger tabellarischer Lebenslauf sowie eine ausführlich und persönlich verfasste Darstellung der Beweggründe für die Gewissensentscheidung.