"Sterben im Hospiz"

Fernsehvorschau: Was sich vom 4. bis zum 10. November zu sehen lohnt
Hans-Peter Triebe ist dankbar für die liebevolle Betreuung seiner schwerkranken Ehefrau

Foto: ZDF/MDR

Hans-Peter Triebe ist dankbar für die liebevolle Betreuung seiner schwerkranken Ehefrau.

Wie verkraften die Angehörigen den Tod eines geliebten Menschen? Was sind die letzten Wünsche der Sterbenden, was haben sie in ihrem Leben bereut? Worauf sind sie stolz? Hatte alles einen Sinn? Das sind die Fragen, um die es am Sterbebett geht. Moderatorin Annett Glatz hat eine Zeit lang das Team in einem Hospiz unterstützt und darüber einen Film gemacht. Und das lohnt sich sonst noch vom 4. bis 10 November im Fernsehen.

4.11., Arte, 23.40 Uhr: "Philosophie: Behinderung - Bereicherung für alle?"

Menschen mit Behinderung wollen kein Mitleid, sondern Respekt; das ist längst gesellschaftlicher Konsens. Gleichzeitig herrscht jedoch nach wie vor eine eklatante Ungleichbehandlung; selbst im alltäglichen Leben werden Menschen mit Behinderung allzu häufig als Sonderfall behandelt. Das birgt ein großes Spannungsfeld in sich. Doch wie kann man ohne Herablassung oder Verleugnung über Behinderung sprechen? Diese und weitere Fragen diskutieren die beiden Gäste bei "Philosophie": Der Behindertenexperte Jean-Baptiste Hibon hat einen Hochschulabschluss in Psychologie der Kommunikation, Kognition und Selbstdarstellung und studierte am Hirnforschungszentrum Institut Vittoz IRDC. Außerdem ist er der Gründer von Le Réseau Humain, einer kollaborativen Plattform zu den Themen Behinderung und Abhängigkeit. Er informiert und begleitet Menschen in sozialen oder medizinischen Tätigkeiten, Unternehmensführer sowie die Personalabteilungen großer Konzerne. Jonathan Tribodet ist Personalleiter der landwirtschaftlichen Versorgungskasse Armorique in Saint-Brieuc, die als Vorbild für die Integration behinderter Menschen gilt.

5.11., ARD, 17.30 Uhr: "Gott und die Welt: Unser Jahr nach der Flut"

Völlig unvorbereitet wird Familie Kahle aus Anzenkirchen in Niederbayern von einer Flutkatastrophe getroffen, wie sie sich statistisch gesehen nur einmal in tausend Jahren ereignet. Innerhalb weniger Minuten wird alles zerstört, was sich Tanja und Frank über Jahre aufgebaut haben. Gerade erst haben sie Dach und Anbau fertig saniert, der Kredit ist längst nicht abbezahlt. Jetzt muss ihr Haus wegen "Gebäudetotalschaden" abgerissen werden. Die Kahles stehen vor dem finanziellen Ruin. Auch Familie Voggenreiter muss noch einmal ganz von vorne anfangen. Im Dorf führen Hannah und Armin eine Bäckerei in der vierten Generation. Die Wassermassen haben ihren Laden, die Backstube und ihr Wohnhaus zerstört. Einige der teuren Backmaschinen sind defekt. Kahles und Voggenreiters plagen viele Fragen, tagsüber und erst recht nachts. Wie soll es für uns und die Kinder weitergehen? Wie viel Entschädigung werden wir bekommen? Können wir in unserer geliebten Straße bleiben? Wird das verheerende Hochwasser wieder kommen? Claudia Wörner hat die Familien im ersten Jahr nach der Jahrtausendflut begleitet und zeigt, wie sich beide verzweifelt, aber sehr mutig ein neues Leben aufbauen.

5.11., 3sat, 19.10 Uhr: "Über dem Abgrund: Suizid aus vier Perspektiven"

Viktor Staudt sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben und springt vor einen Zug. Er überlebt. Obwohl er seine Beine verliert, empfindet er sein Leben heute als lebenswert. Lokführer Frank Zörkler überfährt fünf Menschen, die ihr Leben auf den Bahngleisen beenden wollen. Schwer traumatisiert kämpft er in einer Klinik darum, das Erlebte zu verarbeiten. Petra Hohn verliert ihren Sohn Carsten durch Suizid. Ohne Abschiedsbrief scheidet der 18-Jährige freiwillig aus dem Leben. Seine Mutter bleibt zurück mit der quälenden Frage nach dem "Warum?". Natalie Derbort geht in ihrem Film daher der ungewöhnlichen Frage nach, ob es egoistisch ist, sich das leben zu nehmen. Suizid ist ein Ausnahmezustand im Hirn, weist Psychiater Konrad Michel nach. Erkennt man die Anzeichen früh genug und behandelt die Betroffenen richtig, können viele Suizide verhindert werden. Ein Film über Todessehnsucht, Schuldgefühle und das (Weiter-)Leben nach dem fehlgeschlagenen Freitod.

6.11., 3sat, 0.05 Uhr: "37 Grad: Gestohlenes Vertrauen"

Sicherheit ist ein wichtiges Thema geworden in Deutschland. Auch wenn seit ungefähr einem halben Jahr die Einbruchszahlen wieder etwas zurückgehen, bleibt die Verunsicherung bestehen.
Die Opfer leiden oft noch Jahre später, zumal die Aufklärungsrate laut Polizeilicher Kriminalstatistik bei Einbrüchen 2016 bundesweit bei nur rund 16,9 Prozent lag. Werden sich die Opfer je wieder sicher fühlen in den eigenen vier Wänden? Was ist, wenn die Einbrecher wiederkommen? Wie soll man mit der Angst umgehen? Fragen, die die Opfer bis in den Schlaf verfolgen. So hat es auch die alleinerziehende Innenarchitektin Christina erlebt. Als sie mit ihrem kleinen Sohn eines Nachmittags nach Hause kommt, ist die Wohnung verwüstet. Sämtliche Schränke und Schubladen sind ausgeräumt. Computer, Geld, Kamera: alles weg. Christina versucht, sich zusammenzureißen, aber dieser Nachmittag traumatisiert sie und ihren Sohn. Seither fragt der Junge immer, ob sie mitkommt, wenn er in sein Zimmer gehen will. Sie soll ohne ihn nicht mal mehr kurz zum Auto gehen oder einkaufen, weil der Kleine nicht allein bleiben kann. Christina sucht eine Therapeutin auf, weil sie nicht mehr klarkommt. Erst nachdem sie sich ihre Angst eingestehen kann, lernt Christina, mit dem Verlust ihres Sicherheitsgefühls, mit dem Ende ihrer "heilen Welt", umzugehen. Und mit den Ängsten ihres Sohnes. Zweites Beispiel dieser Reportage ist Familie Müller aus einer Kleinstadt, in der besonders oft eingebrochen wird. Vater Marco leitet einen Pflegedienst, Mutter Manuela ist Krankenpflegerin. Auch bei ihnen wurde eingebrochen, und seither hält es Marco kaum aus, seine Frau allein im Haus zu wissen, wenn er unterwegs ist. Die Müllers wollen sobald wie möglich in ein eigenes Haus ziehen. Aber eine allzu aufwendige Sicherheitstechnik können sie sich nicht leisten. Was also tun, um sich wieder sicher zu fühlen? Auch in ländlichen Regionen ist die Welt alles andere als in Ordnung. Als der Landwirt Jens und seine Frau Katrin an einem frühen Winterabend nach Hause kommen, steht die Terrassentür auf. Sämtliche Wertsachen sind gestohlen worden. Für das Ehepaar bedeutet das eine existenzielle Verunsicherung, die die Familie vorher nicht kannte. Das Dorf hat nur eine Handvoll Bewohner. In der Umgebung sind in den vergangenen Jahren mehr und mehr Polizeistationen abgebaut worden. Und das, obwohl sich die Kriminalität in einigen Regionen Deutschlands aufs Land verlagert hat. Der Film dokumentiert, wie die Angst nach einem Einbruch das Leben verändert und wie sie bewältigt werden kann.

6.11., Arte, 0.15 Uhr: "Zen for Nothing"

Achtsamkeit und Meditation stehen bei gestressten Menschen und einer boomenden Ratgeber-Branche derzeit hoch im Kurs. Doch Zen hat eine lange buddhistische Tradition, und Zazen, die Kunst der Meditation, verlangt eigentlich nur Zeit und Übung. Die Schweizer Schauspielerin Sabine Timoteo bricht in das Zen-Kloster Antaiji auf, das versteckt in den Bergen Japans liegt, um diese Kunst zu lernen; der Filmautor Werner Penzel hat sie dabei begleitet. Nach einer Reise, die Timoteo an den Industrielandschaften von Osaka und Kobe vorbei zur Westküste führt, steigt sie die lange Steintreppe durch den dichten Wald hinauf zum Kloster. Das Leben im Kloster ist bis ins Kleinste von klaren, jahrhundertealten Regeln geprägt. Bei den schweigend eingenommenen Mahlzeiten werden die Essstäbchen auf bestimmte Weise und in Verbindung mit den drei lackierten Holzschalen geführt. Das Verbeugen erfordert geistige Präsenz und das Sitzen in der Meditationshalle vor der leeren Wand die Überwindung körperlicher Schmerzen, bis auch die Muskeln sich an die neue Haltung gewöhnt haben. Die junge Frau ist bereit, in das klösterliche Leben und die Philosophie des Zen-Meisters Kodo Sawaki einzutauchen. Sie gewöhnt sich an die vielen zu beachtenden Vorschriften, das Aufstehen in der Dunkelheit, die schweißtreibende Arbeit auf den Reisfeldern oder beim Holzschlagen im Wald. Sie lernt, lacht und weint gemeinsam mit den anderen Zen-Praktizierenden aus aller Welt, den Nonnen und Mönchen und mit Abt Muho, der als Olaf Nölke in Berlin geboren wurde. Sie begegnet sich selbst und den Überraschungen des Alltags; ein Wechselspiel, dem Penzel mit großen Bildern und Fred Frith und Ayako Mogi mit ihrer Musik einen eindringlichen Rhythmus verleihen.

7.11., Arte, 20.15 Uhr: "Verdun"

Am 21. Februar 1916 startete die 5. Armee des deutschen Heeres in Verdun den Angriff auf die französischen Stellungen. Ende des Jahres war sie wieder auf ihre Anfangsposition zurückgeworfen. Das zehnmonatige Ringen um die französische Festung Fort Douaumont war eine der blutigsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Ohne die Unterstützung ihrer Verbündeten standen sich die beiden Nationen in einem mörderischen Stellungskrieg frontal gegenüber und bezahlten einen hohen Preis: Mehr als 300.000 Soldaten verloren ihr Leben auf den Schlachtfeldern von Verdun. Heute scheint diese Schlacht absurd. Sie forderte auf beiden Seiten fast gleich viele Menschenleben, ohne militärisch tragfähige Ergebnisse zu erzielen. Doch 1916 fanden die deutschen und französischen Soldaten diese Schlacht nicht sinnlos. Warum waren sie bereit zu kämpfen?
Der Dokumentarfilm fragt nach den politischen Motiven beider Lager, beleuchtet den Kriegsalltag der Soldaten, ihre Träume und Ängste und trennt die Wirklichkeit vom Mythos. Warum haben sich Deutsche und Franzosen damals bekämpft? Aus Nationalismus? Aus Kriegsroutine? Oder waren es andere Gründe? Heute ist Verdun Symbol für die industrialisierten Menschen- und Materialschlachten, für die Gräuel, Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit des Ersten Weltkriegs. In dem ehemaligen Kampfgebiet liegen 40 französische und 30 deutsche Soldatenfriedhöfe. Insgesamt 170.000 Gefallene sind dort begraben. Der Dokumentarfilm folgt der Chronologie der Ereignisse. Archivbilder und nachgestellte Szenen vermitteln eine Vorstellung der Konfrontation. Mit zahlreichen Computeranimationen werden der Verlauf des Kampfgeschehens sowie die Topographie des Schlachtfelds veranschaulicht.

7.11., Arte, 21.35 Uhr: "Nidals Liste"

Die selbstgestellte Aufgabe ist lebensgefährlich: Der Deutsch-Syrer Nidal Kouba und seine Mitstreiter suchen unter den syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen in Europa nach mutmaßlichen Terroristen, die sie den Behörden melden. Kouba ist 1985 mit seinen Eltern aus Syrien geflohen; die Familie hat in Deutschland Asyl bekommen. Er wuchs in Deutschland auf und war gut integriert, ein erfolgreicher Geschäftsmann mit Familie. Trotzdem ließ er alles zurück und ging nach Syrien, als dort der Arabische Frühling mit friedlichen Protesten gegen den Diktator Assad begann. Als aus der friedlichen Revolution ein brutaler Bürgerkrieg wurde, schloss er sich der Freien Syrischen Armee (FSA) an. Jetzt ist er zurück in Deutschland mit einer Liste von ehemaligen FSA-Kämpfern, die zu islamistischen Brigaden oder dem IS übergelaufen sind. Viele dieser "Gotteskrieger" sind mit den Kriegsflüchtlingen nach Europa gekommen. Mit Hilfe seiner Liste sucht Nidal sie, um sie vor Gericht zu bringen. Seine Mitstreiter sind Gleichgesinnte: ehemalige FSA-Kämpfer, Journalisten, Exilpolitiker. Ihre Rechercheergebnisse übergeben sie den europäischen Strafverfolgungsbehörden. Bei den Fahndern finden sie Gehör, doch die Führungsebenen bei Polizei und Staatsanwaltschaft sind zögerlich. Wie sollen die Informationen von Nidal und seinem Team gerichtsfest in einem Verfahren münden? Einziger Weg: Nidal muss als Zeuge vor Gericht aussagen. Die Folge: Er wird bedroht. Sieben Monate ließ sich Nidal Kouba bei seinen Recherchen von einem Kamerateam begleiten. Die Spurensuche führt quer durch Europa und nimmt auch die aktuelle sicherheitspolitische Debatte im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus auf.

7.11., NDR, 0.00 Uhr: "Alles gut - Ankommen in Deutschland"

Im Spätsommer 2015 spalten drei Worte ein ganzes Land: "Wir schaffen das." Millionen Bundesbürger engagieren sich für Asylbewerber. Anderswo brennen die Flüchtlingsheime, die Fremdenfeindlichkeit nimmt zu und die Regierung streitet über Obergrenzen und Sprachkurse für Geflüchtete. Willkommenskultur stand gestern im Mittelpunkt, nun geht es um Integration und die Frage, wie sie gelingen kann. Der Dokumentarfilm erzählt von zwei Kindern, die zu dieser Zeit mit ihren Familien nach Deutschland kamen: Djaner, 7, aus Mazedonien und Ghofran, 11, aus Syrien. Ihre Flucht endete in Hamburg, im gutbürgerlichen Stadtteil Othmarschen. Pia-Luisa Lenz hat beobachtet, wie sich die beiden in ihrem neuen Leben zurechtfinden. Djaner ist mit seinem Bruder Mahmud und seiner depressiven Mutter vor Armut und Diskriminierung davon gelaufen. An seinem ersten Tag an einer deutschen Grundschule geht für den Roma-Jungen ein Traum in Erfüllung. In seiner Heimat bedeutete Schule für ihn Angst vor Schlägen. Hier will Djaner dazugehören, wie Hunderttausende andere Flüchtlingskinder, die in Deutschland plötzlich beschult werden.
Ghofran hoffte anfangs, sie könne Deutschland bald wieder verlassen. Sie hört arabischen Hip-Hop und lebt in Gedanken weiter in Syrien, während ihr Vater Adel in Hamburg darum kämpft, für immer anzukommen. In der Schule, wo sie Deutsch lernt, begegnet Ghofran Mädchen, die alles dürfen. Was davon will sie annehmen, was ist sie bereit, dafür aufzugeben? Ein Jahr lang hat Lenz Djaner und Ghofran bei ihrer Suche nach sich selbst und einem neuen Leben begleitet. Die Perspektive der Kinder eröffnet einen neuen, unverstellten Blick auf die Integration Hunderttausender Geflüchteter und die Frage: Wie geben wir denen eine Heimat, die am dringendsten eine Zukunft brauchen?

8.11., 3sat, 0.15 Uhr: "Sterben im Hospiz"

Menschen würdevoll in den Tod begleiten, ihnen die Angst nehmen, helfen, das Ende des Lebens zu akzeptieren: Das will Hospiz-Leiterin Anja M. An den Tod gewöhnt man sich nie, sagt sie.
Wie verkraften die Angehörigen den Tod eines geliebten Menschen? Was sind die letzten Wünsche der Sterbenden, was haben sie in ihrem Leben bereut? Worauf sind sie stolz? Hatte alles einen Sinn? Das sind die Fragen, um die es am Sterbebett geht; Burkhard Kunst und Annett Glatz suchen mit ihrem Film Antworten. In ein Hospiz werden nur unheilbar Kranke aufgenommen, die eine spezielle Symptom-Behandlung brauchen. Im Gegensatz zu Pflegeheimen ist hier eine sehr intensive Betreuung möglich. Eine Palliativfachkraft kümmert sich um vier Bewohner. Waschen, Wunden versorgen, die Atmung kontrollieren und immer wieder reden und die Hand halten. Menschen beim Sterben helfen, mit ihnen die letzten Stunden ihres Lebens verbringen, wie geht das jeden Tag?
Moderatorin Annett Glatz bleibt nicht hinter der Kamera, sondern sie arbeitet im Hospiz mit und unterstützt das Team. Sie wäscht einen todkranken jungen Mann mit Gehirntumor, sie massiert die Hand einer 71-jährigen mit Leberkrebs, sie ist dabei, wenn der Bestatter kommt. Es sind intensive Begegnungen, die die Reporterin auch an ihre Grenzen bringen, denn alle Protagonisten haben nur noch wenig Lebenszeit. Wie schnell der Tod in einem Hospiz kommt, sagen die nüchternen Zahlen. Durchschnittlich 24 Tage verbringt ein Bewohner hier, bevor er stirbt. Doch nicht für alle unheilbar Kranken gibt es Hospiz-Plätze; oft sind die Wartelisten lang.

8.11., BR, 19.00 Uhr: "Stationen"

Nichts ist mehr, wie es war. Seit sie ihre Tochter verloren hat, ist für eine Mutter die Welt aus den Fugen geraten. Die Zwanzigjährige Tochter stand an einer roten Ampel, als ein Auto ins Schleudern kam und sie so schwer verletzte, dass sie starb. Wie kann eine Mutter mit dem Verlust, der Trauer, der Wut, der Ohnmacht umgehen? Wie für die andere Tochter eine zugewandte Mutter bleiben? "Gott? Wo warst du? Wo bist du?", diese Fragen stellt sich Monika seit dem Unfall. Die freischaffende Künstlerin, die seit vielen Jahren in der Sterbe- und Hospizbegleitung tätig ist, ist von heute auf morgen mit den Fragen konfrontiert, auf die sie vorher mit anderen nach Antworten gesucht hat. Wo findet sie selbst jetzt Verständnis und Unterstützung? Ein Film über die Suche nach Möglichkeiten, Traumata zu überwinden und Trauer zu bewältigen.

8.11., BR, 22.00 Uhr: "DokThema: Tiroler Bauern gegen Stromkonzerne - Der lange Schatten der NS-Zeit"

In Tirol ist ein erbitterter Streit entbrannt: Der landeseigene Stromkonzern TIWAG hat Land an einen Fabrikanten verkauft, welches im Dritten Reich Bauern unter Androhung von Repressalien für den Bau eines Kraftwerks abgekauft wurde. Die Erben protestieren. Wem gehört dieses Land? Mehr als 70 Jahre ist die NS-Zeit in Österreich vorbei. Doch jetzt ist in Tirol ein erbitterter Streit entbrannt: Der landeseigene Stromkonzern TIWAG hat Land an einen Fabrikanten verkauft. Doch dieses Land ist historisch belastet. Für den Bau eines Kraftwerks und eines Windkanals mussten im Dritten Reich Bauern unter zweifelhaften Umständen ihr Land verkaufen. Das immer wieder zugesicherte Rückkaufsrecht für den Fall, dass kein Kraftwerk gebaut wird, wurde übergangen. Die Nachfolger der Bauern protestieren jetzt dagegen. Ist es nun zu spät? Denn die NS-Vergangenheit wurde bisher nur wenig aufgearbeitet, die zuständigen Archive werden nur sehr zögerlich geöffnet. Jetzt soll ein deutscher Historiker das Geschehen rekonstruieren.

8.11., BR, 22.45 Uhr: "Der ewige Antisemit"

Sie sind wegen ihrer unnachgiebigen Ablehnung des Islams nicht unumstritten, und vermutlich macht diese Haltung sie zu mehr als nur Gleichgesinnten. Für diesen Film von Joe Schroeder haben sich der deutsche Publizist Henryk M. Broder und der holländische Schriftsteller und Regisseur Leon de Winter auf eine Reise von Dresden über Paris bis nach Malmö begeben: auf der Suche nach einem Europa, dem die Leichtigkeit des Seins abhandengekommen ist. Vor fünf Jahren hat Broder eine solche Reise bereits mit Hamed Abdel-Samad für die Doku-Reihe "Entweder Broder" unternommen. Broder, de Winter und Abdel Samed erkunden in wechselnden Konstellationen, was die Ereignisse der letzten Jahre für die Juden, die noch in Europa leben, bedeuten. Im Marais, dem alten jüdischen Viertel von Paris, leben nur noch wenige Juden. Seit dem Anschlag 2015 auf das Konzerthaus Bataclan dominieren nicht nur Touristen das Straßenbild, sondern auch schwer bewaffnete Einheiten der Armee. In den Cafés rund um die Rue des Rosiers kann Broder noch mit einigen Gästen Jiddisch sprechen. De Winter prophezeit seinem Freund, dass sie der vermutlich letzten Generation in Europa angehören, die jiddische Kultur noch erlebt. In Schweden treffen die beiden den Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Malmö. In seiner Synagoge sind die Scheiben aus Panzerglas. Der Lehrer einer Malmöer Grundschule erzählt, dass seine Schüler, deren Eltern vor ein paar Jahren als Einwanderer nach Schweden kamen, ihre Konflikte mitbrachten. Er wird als "Drecksjude" beschimpft und manchmal mit dem Hitlergruß empfangen. Auf ihrer 5.000 Kilometer langen Reise diskutieren die Freunde wütend und resigniert, melancholisch und erschüttert über die ewige Frage nach dem Ursprung des Antisemitismus und des Antizionismus. Sie fragen sich, warum sich ausgerechnet die progressive Linke Ende der Sechzigerjahre gegen Israel richtete und inwiefern die Zuwanderung aus muslimischen Ländern heute eine Rolle spielt.

9.11., WDR, 22.40 Uhr: "Menschen hautnah: Das Messie-Haus, meine Familie und ich"

Frieder hat sein Elternhaus in Ludwigshafen geerbt, ein Haus ohne Licht und Strom. Die Räume zugemüllt vom Keller bis zum Dach. Hier lebte sein älterer Bruder Karl die letzten zwölf Jahre allein. Im Juni 2016 verständigten die Nachbarn die Polizei. Seit Tagen war der Briefkasten nicht mehr geleert worden. Der Notarzt fand die Leiche des Bruders inmitten von Müll. Die Nachbarn informieren auch Frieder, den einzigen noch lebenden Verwandten. Er das Haus seit demTod der Mutter 2004 nicht mehr betreten. Und nun das: Zwischen Stapeln von Zeitschriften, Büchern, Knäckebrot, Radios, VHS-Kassetten, CDs und Fernsehern nur schmale Gänge, auf denen man sich bewegen kann. Ein bestialischer Gestank in der Luft. Überall Mäusekot. Gemeinsam mit Freunden versucht Frieder, sich durch die Müllberge zu wühlen - mit Handschuhen und Atemschutzmaske. Ein Jahr lang begleitete Erika Fehse Frieder bei seiner Reise in die Vergangenheit und bei dem schmerzhaften Unterfangen, sich der eigenen Familiengeschichte zu stellen. In dem Chaos finden sich Reichsmark, Plastikbehälter mit gesammeltem Urin, Geld, Waffen, Würmer, aber auch: Tagebücher und Briefe des Vaters, der Mutter, des Bruders. Hunderte von Familienfotos und Video 8-Bänder, die der Bruder mit einer Kamera aufgenommen hat. Ein riesiges Archiv der Familie wird langsam sichtbar. Und eine riesige Aufgabe liegt vor Frieder, der 1970 sein Elternhaus im Streit verlassen hat. Plötzlich ist die Familiengeschichte und mit ihr das, was in seinem Leben schief gelaufen ist, allgegenwärtig.

9.11., WDR, 23.55 Uhr: "Menschen hautnah: 230 Kilo mit 13 Jahren"

Diabetes, Rollstuhl, Herzinfarkt: Diese fatale Prognose gilt nicht etwa einem 70-Jährigen, sondern dem 13-jährigen Lucas, wenn alles so weiter läuft wie bisher. Wegen seines Bluthochdrucks nimmt er bereits Medikamente. Radfahren, Kino oder die Urlaubsreise mit dem Flugzeug sind wegen seines Übergewichts nicht möglich. Schon als Kleinkind wog Lucas zu viel. In der Spielgruppe hat er seinen Altersgenossen die Butterbrote weggegessen und seiner Schwester Geld geklaut, um sich Süßigkeiten zu kaufen. Seine war mit dem Jungen bei Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern. Mehrere Kuren hat er auch schon hinter sich, ohne nachhaltigen Erfolg. Christian Pietscher hat Lucas und seine Familie zwei Jahre lang begleitet. Nach der letzten Langzeittherapie hat Lucas wieder zugenommen, jeden Monat um die zehn Kilo; schließlich wog er weit über vier Zentner. Seine krankhafte Esssucht hat ihn voll im Griff. Die Ärzte sehen nur noch einen Ausweg: Er muss sich einer Magen-Bypass-OP unterziehen, ein Eingriff mit hohem Risiko. Aber die Familie greift nach diesem letzten Strohhalm, damit Lucas endlich abnimmt und ein normales Leben führen kann. Der Film beschreibt die vielen Hürden vor der Operation bis zur harten Bewährungsprobe danach.

10.11., NDR, 21.15 Uhr: "Wir gründen ein Dorf"

Eine 700-Seelen Gemeinde am Plöner See. Kein Supermarkt, keine Bank, kein Bäcker. Aber ein Wildacker mit Seeblick: Hier wollen Caroline und Uli Reimann ein Seniorendorf bauen. Eine Ökosiedlung mit dreißig Holzhäuschen, einem Dorfhaus für alle, mit Gemeinschaftsgarten und Weideflächen für Tiere. Ihre Vision: aktiv und selbstbestimmt alt werden, gemeinsam mit anderen. Doch "die anderen" müssen sie erst finden. Interessenten gibt es in ganz Deutschland, doch wie viele Senioren wagen tatsächlich den Umzug nach Norddeutschland und beteiligen sich an dem ambitionierten Wohnprojekt? Die Reimanns gehören zu den "neuen Alten", die Ute Jurkovics in ihrem Film vorstellt: eine Generation, die schon in ihrer Jugend Wohngemeinschaften gegründet hat und jetzt neue Wohnmodelle für den dritten Lebensabschnitt ausprobiert. Zu einem Info-Treffen kommen Interessenten aus ganz Deutschland. Alle treibt die Idee um, im Alter noch einmal ganz neu anzufangen. Die Reimanns gehen ein großes Risiko ein. 800.000 Euro haben sie bereits in das Projekt gesteckt: für Grundstück und Planungskosten. Acht Millionen Euro soll der Bau der Siedlung kosten. Er lässt sich nur realisieren, wenn weitere Bewohner finanziell mit einsteigen. Jurkovics hat die Pioniere des Seniorendorfs mehr als zwei Jahre lang begleitet: von den ersten Gesprächen über den Baubeginn im November 2016 bis zum Einzug der ersten Bewohner. Während die Ökosiedlung wächst, macht sich unter den eingesessenen Bewohnern Skepsis breit. Wer sind die Zugezogenen? Eine Sekte, geht ein Gerücht. Mit einem Tag der offenen Tür und Führungen durch den Uhlenbusch versuchen die Senioren der Skepsis entgegenzuwirken. Gleichzeitig müssen sie sich selbst als Gemeinschaft finden und viele Fragen klären. Wie soll der Garten aussehen? Wer kümmert sich um die Hühner? Dürfen die vielen Hunde frei herumlaufen? Und wie trifft man überhaupt Entscheidungen? Nach Konsensprinzip? Durch Mehrheitsvotum? Das Seniorendorf Uhlenbusch ist ein modernes Abenteuer.