Pater Rotzetter: "Der heilige Franziskus bleibt modellhaft"

Der Heilige Franziskus auf einem Fresko von Andrea de' Bartoli von 1359/67.

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Der Heilige Franziskus auf einem Fresko von Andrea de' Bartoli von 1359/67.

Pater Rotzetter: "Der heilige Franziskus bleibt modellhaft"
Die enge Beziehung des neuen Papstes zum heiligen Franz von Assisi (um 1181-1226) ist nach Ansicht des Schweizer Kapuzinerpaters Anton Rotzetter eine Chance für die katholische Kirche. "Dass er die Solidarität mit den Armen als Programm aufnimmt, ist wahrscheinlich", erklärt der Autor zahlreicher Bücher über zeitgenössische Spiritualität im Interview. Alles werde Papst Franziskus aber aber wohl nicht verwirklichen können.

Herr Rotzetter, warum gilt Franz von Assisi als eine solche Lichtgestalt der Kirchengeschichte?

Anton Rotzetter: Franz von Assisi wollte nichts anderes leben als das Evangelium und betrachtete Jesus von Nazareth als die grundlegende und zukunftweisende Perspektive seines Lebens.

Dabei stützte er sich nach dem Kapitel 10 des Markusevangeliums vor allem auf die radikale Solidarität mit den Armen an der Seite Jesu. Das war die Antwort auf eine Zeit, wo das Geld zum Mammon wurde und die Gier zum einzigen Streben der Gesellschaft. Ein anderer maßgebender Abschnitt des Evangeliums ist die Sendungsrede Jesu. In ihr geht es darum, dass die Jünger in radikaler Armut den Armen die frohe Botschaft verkünden und in ebenso radikaler Gewaltlosigkeit den Friedlosen den Frieden. Bis heute - in einer vergleichbaren Zeit - bleibt Franziskus daher modellhaft.

Welche seiner Botschaften ist heute besonders aktuell?

Rotzetter: Die große Dankbarkeit für das Evangelium als frohmachende Botschaft und sinnvolle Lebensperspektive, die gelebte Geschwisterlichkeit, die radikale Solidarität mit den Armen sowie das Leben unter den gleichen ökonomischen Bedingungen wie die Armen. Dazu gehört, die eigenen Bedürfnisse auf das Notwendige zu reduzieren und jedes Geschöpf als Bruder und Schwester zu betrachten - auch das Tier.

Der Name eines Papstes gilt ja als Programm für sein Pontifikat. Warum, glauben Sie, hat Kardinal Bergoglio den Namen Franziskus ausgewählt?

Rotzetter: Ich denke schon, dass der neue Papst an den einen oder anderen der genannten Punkte gedacht hat. Jedenfalls liegt eine große Hoffnung in der Wahl dieses Namens. Aber alles wird er wohl nicht verwirklichen können. Und es ist auch möglich, dass er wie viele Bischöfe nur die Kirchlichkeit herausstellt und das andere vergisst. Dass er die Solidarität mit den Armen als Programm aufnimmt, ist wahrscheinlich. Dass er aber den Befreiungstheologen immer noch wie Papst Benedikt XVI. global Marxismus vorwirft, ist nicht gerade verheißungsvoll. Gerade Franziskaner gehörten zu denen, welche die Befreiungstheologie maßgeblich prägten. Wenn ich das sage, dann habe ich allerdings auch die Hoffnung, dass der neue Papst auch diese Hürde nimmt.

Franz von Assisi, auch als Franziskus bekannt, trug zur spirituellen Erneuerung der christlichen Botschaft im Mittelalter bei. Er ist der Begründer des Franziskaner-Ordens und wurde 1980 von Papst Johannes Paul II. als Patron des Umweltschutzes benannt. Sein Todestag, der 4. Oktober, ist Welttierschutztag.