Bibelserie: "Und Gott sah, dass es gut war."

Sixtinische Kapelle Aussschnitt Adam

Foto: akg-images/Erich Lessing

Schöpfungsdarstellung von Michelangelo (1475 -1564) in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan.

Bibelserie: "Und Gott sah, dass es gut war."
Zum Tag der Schöpfung am 7. September 2012
Angesichts von Klimaerwärmung, Atomkraft und Genforschung wird es immer wichtiger, dass jeder sich seiner Verantwortung der Welt gegenüber bewusst ist. Wenn Menschen weiterhin zu selbstherrlich und zerstörerisch in die Umwelt eingreifen, gefährden sie auch die eigene Lebensgrundlage. Schon die Bibel zeigt: Auch der Mensch ist nur ein Teil der Schöpfung.

Tohuwabohu

1. Mose 1,1-24
Tohu wa-bohu – "wüst und leer" – sei es gewesen, als Gott durch die Schöpfung begann Ordnung in das Chaos zu bringen, heißt es in den ersten Sätzen der Bibel. "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde … Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht." Gottes Wort also setzte die Schöpfung in Gang. Innerhalb von sechs Tagen folgten auf Erde und Licht Himmel, Festland und Meer, die Pflanzen und Gestirne, die Tag und Nacht bestimmen, die Tiere und schließlich auch die Menschen.

"Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut." Ganz nebenbei schuf er so auch die Siebentagewoche mit dem Ruhetag, die unserem Zusammenleben noch heute Struktur gibt. Denn nachdem Gott sechs Tage lang mit der Schöpfung beschäftigt gewesen war, ruhte er "am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte."
Zitat: "Und Gott sah, dass es gut war."

Lebenshauch

1. Mose 2,4-25
Die zweite und ältere der beiden Schöpfungserzählungen in der Bibel beschreibt, wie Gott den Menschen aus Erde formte und ihm dann das Leben einhauchte: "Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen." Erst danach folgen Pflanzen, Tiere und als passende Gefährtin auch die Frau, geformt aus einer Rippe des Mannes. Die von Gott eingehauchte Lebenskraft befindet sich nach damaliger Vorstellung im Atem und im Blut aller Menschen und Tiere und darf nicht willkürlich verletzt werden.
Zitat: "… und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase."

Macht euch die Erde untertan?

1. Mose 1, 28
"Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan." – ein Satz, der lange als Legitimation für rücksichtsloses Gewinnstreben und Ausbeutungsverhalten herhalten musste. Erst seit wenigen Jahrzehnten wird immer deutlicher, dass der Mensch der Schöpfung damit schweren Schaden zufügen kann. Zu biblischer Zeit galt es noch nicht, die Natur vor den Menschen zu schützen, sondern der als unberechenbar und auch als bedrohlich empfundenen Natur Nahrung und Lebensraum abzutrotzen. Heute jedoch ist klar: Die Aufforderung, über Pflanzen und Tiere zu "herrschen", kann nicht bedeuten, dass wir die Natur rücksichtslos ausbeuten sollen. Denn damit würden wir auch die eigene Lebensgrundlage zerstören. "Herrschen" bedeutet eben auch, das zu schützen, was einem anvertraut ist, sonst steht man am Ende selbst ziemlich schlecht da.
Zitat: "… und füllet die Erde und machet sie euch untertan."

Gottes Macht zeigt sich in der Schöpfung

Hiob 38-39
Von schweren Schicksalsschlägen gebeutelt ruft Hiob Gott dazu auf, Stellung zu beziehen. Wie konnte es sein, dass er so leiden musste, obwohl er nie etwas Unrechtmäßiges getan hatte, für das er solch eine Strafe verdiente? Gott antwortet mit einem Schwall an rhetorischen Fragen: "Wo warst du, als ich die Erde gründete? … Wer ist des Regens Vater? Wer hat die Tropfen des Taus gezeugt? …. Kannst du der Löwin ihren Raub zu jagen geben? …Fliegt der Adler auf deinen Befehl so hoch und baut sein Nest in der Höhe?"

Da wird Hiob klar: In der ganzen Schöpfung lässt sich Gottes mächtiges und planvolles Wirken erkennen, doch völlig durchschauen kann man das als Mensch nicht. "Und Hiob antwortete dem Herrn und sprach: Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. … Darum habe ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. … Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen."
Zitat: "Wer ist des Regens Vater? Wer hat die Tropfen des Taus gezeugt?"

Lob der Schöpfung

Psalm 8,4ff; 104;148
"Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" Viele Psalmen sind Loblieder auf die Schöpfung und den Schöpfergott. In einem weiteren Psalm heißt es: "Du lässest Wasser in den Tälern quellen, … dass alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst lösche. Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen. … Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst. … Die Bäume des Herrn stehen voll Saft. … Dort nisten die Vögel, und die Reiher wohnen in den Wipfeln. Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht." Und der Psalm 148 fordert die ganze Schöpfung auf, Gott zu loben: Die Gestirne am Himmel, die Engel, Fische, "Feuer Hagel, Schnee und Nebel", die Berge, alle Tiere und die Menschen "Alte mit den Jungen" sollen "loben den Namen des Herrn; denn er Gebot, da wurden sie geschaffen."
Zitat: "Die sollen loben den Namen des Herrn; denn er gebot, da wurden sie geschaffen."

Auf den Schöpfergott vertrauen

Matthäus 6,25ff
Jesus ruft dazu auf, in der Schöpfung das gute Schöpfungshandeln Gottes zu erkennen, auf das sich die Menschen verlassen können: "Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. … Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun? ... darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen."
Zitat: "Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch."

Schöpfung frei von Vergänglichkeit

Römer 8,21
Darauf, dass Leid und Tod einmal ein Ende haben werden, lasse Jesus Christus uns hoffen, erklärt Paulus im Brief an die Römer: "Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes."
Zitat: "Auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit."

Infos zur Serie
Sehr viel von dem, was uns im Alltag begegnet, ist in der Bibel schon erwähnt. In der Serie "Best of Bible" suchen Uwe Birnstein und Sonja Poppe diese Stellen zusammen.

Die Schöpfungserzählungen versuchen eine Antwort auf die Frage zu geben, woher das kommt, was jetzt ist, und erzählen von der Erfahrung einer gottgegebenen Ordnung inmitten des Chaos. Das Nebeneinander verschiedener Erzählungen und Vorstellungen zeigt, dass es hier nicht um wissenschaftliche Erklärungen geht. Im Vordergrund steht das Staunen über die wunderbare Schöpfung Gottes. Zu biblischer Zeit war es noch nicht vorstellbar, dass Menschen einmal in der Lage sein würden, so unumkehrbar in die Schöpfung einzugreifen, wie wir es heute tun. Damals galt es, der unberechenbaren Natur Lebensraum und Nahrung abzutrotzen. Die Aufforderung "füllet die Erde und machet sie euch untertan" formuliert also keinen Aufruf zu rücksichtsloser Zerstörung, sondern die Erlaubnis, uns die Erde nutzbar zu machen.