SWR-Hörfunkchef sauer auf katholische Bischöfe

SWR-Hörfunkchef sauer auf katholische Bischöfe
Der Aufsichtsratsvorsitzende der katholischen Journalistenschule ifp, Bernhard Hermann, zieht sich aus seinem Amt zurück. Er will auch die Bischöfe nicht länger beraten. Hintergrund für den Schritt des SWR-Hörfunkdirektors ist der offenbar erzwungene Rücktritt des geistlichen Direktor der Schule, Pfarrer Michael Broch. Dieser hatte der Kirche "Bunkermentalität" sowie eine "antiquierte Sexualmoral" vorgeworfen.

Hermann sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag, sein "Vertrauensvorrat" gegenüber der Bischofskonferenz sei aufgebraucht. Er habe daher seine ifp-Funktion ebenso niedergelegt wie die als Berater in der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz. Wenn sich die Bischöfe in ihrer Mehrheit "als Repräsentanten eines gnadenlosen Systems gerieren, will ich damit als katholischer Christ nichts mehr zu tun haben", betonte Hermann.

Broch, der seit März geistlicher Direktor der in München ansässigen Journalistenschule war, hatte im Mai in einem Interview die "Bunkermentalität" und "antiquierte Sexualmoral" der katholischen Kirche kritisiert. Das Gespräch war am 22. Mai in der "Leonberger Kreiszeitung" erschienen. Darin äußerte sich der Priester auch kritisch über die Reaktion von Papst Benedikt XVI. auf die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Er wurde mit der Aussage zitiert: "Wenn es so weitergeht, fährt Papst Benedikt die Kirche an die Wand."

Auch Thomas Gottschalk ifp-Absolvent

Für die Äußerungen hatte er sich später entschuldigt. Dennoch sollen einige Bischöfe ihn zum Rücktritt gedrängt haben, den er am Freitag bekanntgab. Das 1968 von der Bischofskonferenz gegründete Institut zur Förderung des publizistischen Nachwuchses (ifp) bildet Journalisten für Print-, Rundfunk- und Onlinemedien aus. Zu den Absolventen zählen neben anderen TV-Moderator Thomas Gottschalk und RBB-Intendantin Dagmar Reim.

Der Rückzug von Broch (Foto: dpa), der auch zum katholischen Sprecherteam der ARD-Reihe "Wort zum Sonntag" gehört, hatte unter Publizisten Bestürzung ausgelöst. Der katholische Medienbischof Gebhard Fürst bezeichnete den Vorgang als "schmerzlich". Er bedauere dies sehr. Allerdings habe er "auch keine andere Möglichkeit gesehen, nachdem Broch das Vertrauen der deutschen Bischöfe nicht mehr gehabt habe". Broch habe sich viele Jahre als "Medienfachmann von hoher Kompetenz ausgewiesen" und könne weiter als Hörfunkpfarrer der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig sein.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte am Freitag mitgeteilt, Broch habe das nötige Vertrauen zahlreicher Bischöfe verloren. Er sei mit Bewertungen der kirchlichen Lage und zuspitzenden Aussagen zitiert worden, "die in der Bischofskonferenz für unvereinbar gelten mit der Verantwortung, die dem geistlichen Direktor des ifp zufällt", wie es hieß. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte in einem Schreiben an den Geistlichen dessen langjährige Verdienste in der kirchlichen Medienarbeit. Dass sein Wirken im Bereich der kirchlichen Förderung des journalistischen Nachwuchses nun wenige Monate nach Beginn endet, bedauere er.

"Fatales Signal für kirchliche Gesprächskultur"

Der ifp-Aufsichtsrat hatte versucht, die Ablösung Brochs zu verhindern. In einem Brief an die Bischöfe hatten sich die Mitglieder im Juli dafür ausgesprochen, dass Broch im Amt bleiben solle. Nach dessen öffentlicher Entschuldigung sei nicht erkennbar, dass das Ansehen des ifp Schaden gelitten habe. Die Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) bezeichnete es als "fatales Signal für die Gesprächskultur in der Kirche", wenn eine offen geäußerte Kritik zu solchen Konsequenzen führe. Auch der Direktor einer von der Bischofskonferenz getragenen Einrichtung müsse sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen können.

Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann, sagte der "Frankfurter Rundschau", der Fall zeige, "wie schwer sich die Amtskirche mit Kritik aus den eigenen Reihen tut". Die Bischöfe sollten nun wenigstens "die Größe haben, sich inhaltlich mit der Kritik von Pfarrer Broch auseinanderzusetzen". Nach FR-Informationen waren die Bestrebungen zur Ablösung des Geistlichen hauptsächlich vom Kölner Kardinal Joachim Meisner ausgegangen.

epd/dpa