Kinderbuchautor Janosch mit 95 Jahren gestorben

Der Schriftsteller und Illustrator Janosch sitzt vor seinem Haus auf Teneriffa.
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Der Schriftsteller und Illustrator Janosch 2021 vor seinem Haus auf Teneriffa.
Erfinder der Tigerente
Kinderbuchautor Janosch mit 95 Jahren gestorben
Mit 95 Jahren stirbt der Kinderbuchautor und Illustrator Janosch. Er hinterlässt ein Werk, das die Bedeutung von Freundschaften und Bescheidenheit ins Zentrum stellte.

Die Tigerente, ein zotteliger Bär und ein freundlicher Tiger machten ihn berühmt: Janosch verfasste Kinderbücher wie "Oh, wie schön ist Panama", "Post für den Tiger" und "Komm wir finden einen Schatz", er erzählte von den Erlebnissen des kleinen "Hannes Strohkopp" vom "Quasselkasper" aus Wasserburg und von "Rasputin, dem Vaterbär". Der Kinderbuchautor und Illustrator schuf mehr als 150 Bücher, sie wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Mit 95 Jahren ist er am Dienstag auf Teneriffa gestorben, wie sein Verleger Bernhard Feil am Mittwoch in Tübingen mitteilte. Auf die Kanareninsel hatte er sich 1980 mit seiner Lebensgefährtin Ines zurückgezogen.

Geboren wurde Janosch am 11. März 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Zabrze, damals Hindenburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er mit seinen Eltern aus Schlesien nach Oldenburg, ging später für einige Probesemester an die Kunstakademie nach München, bevor er freier Maler wurde. 1960, im Alter von 29 Jahren, zeichnete er sein erstes Kinderbuch: "Die Geschichte von Valek dem Pferd".

2010 kündigt er von Teneriffa aus an, er werde keine weiteren Bücher schreiben. Fortan widmete er sich ganz dem Malen. 2013 übernahm Janosch im "Magazin" der Wochenzeitung "Die Zeit" eine wöchentliche Bilder-Kolumne.
Die Leiterin des Bilderbuchmuseums in Troisdorf bei Bonn, Pauline Liesen, sagte vor Janosch' 95. Geburtstag im März dem Evangelischen Pressedienst (epd), seine Protagonisten wie Tigerente, Bär und Tiger seien "einfach zu Herzen" gegangen. "Darüber hinaus freut man sich über Geschichten, die oftmals tief empfundene Freundschaft und ein Glück thematisieren, das nicht mit Geld und Macht, sondern mit Zufriedenheit und Bescheidenheit einhergeht."

Durchbruch mit "Oh, wie schön ist Panama"

Janosch, der als Eigenbrötler galt, hatte 1999 im Anschluss an eine große Werkschau seine Bilderbuch-Originalillustrationen als Dauerleihgabe an das Bilderbuchmuseum in den Räumlichkeiten der Troisdorfer Burg gegeben. Später kaufte das Haus mehr als 2.700 weitere Originale zu Janosch an. "Damit sind wir das Museum mit dem größten Janosch-Schatz, zumindest was die Bilder - und Kinderbücher anbelangt", sagte Liesen.

Der Durchbruch als Kinderbuchautor gelang ihm 1978 mit "Oh, wie schön ist Panama", das mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde: Wegen des unvergleichlichen Dufts einer Bananenkiste machen sich die Freunde Tiger und Bär mit ihrer gelb-braun gestreiften Tigerente auf den Weg nach Panama, dem Ort ihrer Sehnsucht. Am Ende sind sie wieder zu Hause gelandet - und glücklich. 1980 kam der genauso erfolgreiche Band "Post für den Tiger" in die Buchhandlungen.

Janosch illustrierte und schrieb auch für Erwachsene. Im Reclam-Verlag erschienen im typischen Kleinformat auch große Werke. Etwa das "Wörterbuch der Lebenskunst", das "Notizbuch für alle Lebenslagen", "Rasputin der Lebenskünstler" oder auch - als kleine Hommage an Ernest Hemingway - "Der alte Mann und der Bär - eine Weihnachtsgeschichte."

Seine Protagonisten brauchten nicht viel, um glücklich zu sein: einen Freund, zu essen und zu trinken, viel Sonnenschein, Muße zum Träumen, viel Zeit und eine gesunde Umwelt mit Bächen, in denen sich Forellen wohlfühlen, und mit Wäldern, in denen Pilze und Beeren wachsen.

Kindheit war "die Hölle"

In Interviews mit seiner Biografin Angela Bajorek erzählte Janosch von seiner Kindheit, die alles andere als idyllisch war: Armut, beengte Wohnverhältnisse, ein strenger Pfarrer machte ihm Angst vor Gott, der Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker, die Mutter eine vermeintlich fromme, kalte Frau. "Die Hölle. So erinnert Janosch seine Kindheit. In einem der Interviews sagte er, dass die ersten Lebensjahre seine Persönlichkeit völlig zerstört hätten", so beschrieb es Bajorek 2016 im Deutschlandfunk.

Gewalt taucht in Janoschs Kindergeschichten nicht auf. Dort werden Probleme und Streitigkeiten anders gelöst: Da hört man einander zu, findet Kompromisse und lässt auch den Freund, Nachbarn oder entfernten Bekannten mal recht haben oder im Spiel gewinnen, weil auch das zur Lebenskunst gehört.