Frankfurt a.M. (epd). Bundesweit sind am Samstag Zehntausende Menschen bei den Protesten der Initiative „Gen Z regelt“ für die Anliegen junger Menschen auf die Straße gegangen. Vielerorts verliefen die Proteste friedlich, doch rund um manche Demonstrationen gab es Ausschreitungen. Vor allem in Frankfurt am Main eskalierte die Lage am späten Abend.
Laut Polizeiangaben zogen in Frankfurt zunächst bis zu rund 8.000 Demonstrantinnen und Demonstranten um die Innenstadt. Der Aufzug sei mehrmals angehalten worden, weil einzelne Teilnehmende sich vermummt und Rauchtöpfe gezündet hätten. Nach Einbruch der Dunkelheit eskalierte die Lage: Flaschen, Steine und Böller seien auf Polizisten geworfen worden, so dass die Polizei einen Wasserwerfer einsetzte und die Demonstration für beendet erklärte.
Geschäfte in Frankfurt geplündert
Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) sprach am frühen Abend in Frankfurt von 100 Störern, die die Polizei gezielt angegriffen hätten. In der Folge berichtete die Polizei von weiteren gewalttätigen Personengruppen auf der Haupteinkaufsstraße Zeil.
Schaufensterscheiben seien eingeschlagen, Geschäfte geplündert und Molotowcocktails auf Polizisten geworfen worden. Als auch die Scheiben eines Waffengeschäfts eingeschlagen wurden, seien Beamte zur Sicherung schnell zur Stelle gewesen. Am späten Abend sperrten Polizeikräfte die Fußgängerzone Zeil komplett ab, um gezielt gegen Gewalttäter vorgehen zu können. Gegen Mitternacht gab die Polizei bekannt, dass bislang mehr als 30 Personen festgenommen wurden. Der Polizeieinsatz zog sich bis weit in die Nacht hinein.
Proteste in mehr als 30 Städten
„Gen Z regelt“ hatte zu Protesten in mehr als 30 Städten aufgerufen. Die Initiative beklagt Missstände in der Bildung, soziale Ungerechtigkeiten, steigende Lebenshaltungskosten und spricht sich gegen Militarisierung aus. Bereits im Vorhinein distanzierte sich die Initiative von Gewalt.
Die Polizeigewerkschaft zog am Samstagabend zunächst eine gemischte Bilanz. Die Proteste hätten sich als sehr friedlich rausgestellt, sagte der Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der „Rheinischen Post“ (online). Nach dem Ende der eigentlichen Veranstaltungen habe sich die Lage jedoch in einigen Städten zugespitzt.
In Berlin nahmen laut Polizei am Nachmittag 5.000 Menschen an einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor teil. Die Initiative „Gen Z regelt“ sprach von 10.000 Teilnehmenden. Eine der Berliner Sprecherinnen der Initiative, Kaja Schwab, kritisierte die aus ihrer Sicht falschen Versprechungen der Politik. Der Jugend sei erzählt worden, „wenn wir uns nur genug anstrengen, wird es uns gut gehen“, sagte sie. Stattdessen sei das Leben schwer bezahlbar geworden und die junge Generation soll „in den Kriegsdienst gezwungen werden“.
Initiative spricht von 120.000 Teilnehmern
Am Abend zog dann eine Demonstration „Gen Z hat genug!“ im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg laut Polizeiangaben rund 3.000 Personen an. Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte sich vorab von diesem Protest distanziert. Im Verlauf des Zugs wurde Pyrotechnik gezündet und eine Straßenbahn beschmiert.
In Köln wurde die Versammlung mit mehreren Tausend Teilnehmenden laut Polizei wegen „einzelner Störaktionen“ wie Vermummung und Pyrotechnik vorzeitig beendet. In Essen, Münster und Bielefeld gingen laut Polizei Teilnehmende im unteren vierstelligen Bereich auf die Straße.
In Hamburg lag die Teilnehmerzahl nach ersten Polizeiangaben im niedrigen vierstelligen Bereich. Einige Demonstrierende hätten Pyrotechnik gezündet, zum Teil seien damit sowie mit Baustellenmaterial Einsatzkräfte angegriffen worden. Auch in Stuttgart wurden laut Polizei Böller geworfen.
Nach eigenen Angaben organisierte „Gen Z regelt“ die Proteste in Berlin, Köln, Frankfurt am Main und München hauptverantwortlich. Die Initiative selbst spricht von 120.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ganz Deutschland. Für den 14. November sind auf der Webseite der Initiative erneut Proteste angekündigt.



