Jugend-Proteste für eine lebenswerte Zukunft

Proteste von "Gen Z regelt" in Berlin
Carsten Koall/dpa
Nicht nur wie hier in Berlin, trugen deutschlandweit Jugendliche und Heranwachsende ihre Wut auf die Straßen.
"Gen Z regelt"
Jugend-Proteste für eine lebenswerte Zukunft
Bundesweit gingen in 34 Städten zehntausende junge Menschen auf die Straßen, um für Bildung, Gesundheit und Klimaschutz zu demonstrieren. Massive Ausschreitungen wie in Frankreich gab es zwar nicht, in Hamburg, Berlin und Köln kam es jedoch zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Bei den "Gen Z"-Protesten sind bundesweit Zehntausende Menschen für die Anliegen der jungen Generation auf die Straße gegangen. In Berlin sprach die Polizei am Nachmittag von 5.000 Teilnehmenden an der Demonstration vor dem Brandenburger Tor, die Initiative "Gen Z regelt" von 10.000.

Die Initiative hatte zu Versammlungen in mehr als 30 deutschen Städten aufgerufen. Sie beklagt Missstände in der Bildung, soziale Ungerechtigkeiten, steigende Lebenshaltungskosten und spricht sich gegen Militarisierung aus. Aus einzelnen Städten wurden Zwischenfälle gemeldet.

Eine der Berliner Sprecherinnen der Initiative, Kaja Schwab, kritisierte die aus ihrer Sicht falschen Versprechungen der Politik. Der Jugend sei erzählt worden, "wenn wir uns nur genug anstrengen, wird es uns gut gehen", sagte sie.

Stattdessen sei das Leben schwer bezahlbar geworden und die junge Generation soll "in den Kriegsdienst gezwungen werden". Nun wolle sich die Jugend ihre Zukunft zurückholen: "Meine Generation ist zurück auf der politischen Bühne", sagte Schwab.

Versammlung Köln aufgelöst

In Köln wurde die Versammlung mit mehreren Tausend Teilnehmenden laut Polizei wegen "einzelner Störaktionen" wie Vermummung und Pyrotechnik vorzeitig beendet. Die Polizei berichtete danach von einem Angriff auf Einsatzkräfte mit Pyrotechnik.

Daraufhin seien Wasserwerfer eingesetzt worden, hieß es. Angaben zu Festnahmen und Verletzten lagen am frühen Abend noch nicht vor. In Essen, Münster und Bielefeld gingen laut Polizei Teilnehmende im unteren vierstelligen Bereich auf die Straße.

In Hamburg lag die Teilnehmerzahl nach ersten Polizeiangaben im niedrigen vierstelligen Bereich. Einige Demonstrierende hätten Pyrotechnik gezündet, zum Teil seien damit sowie mit Baustellenmaterial Einsatzkräfte angegriffen worden. Die Polizei sei unter Einsatz von unmittelbarem Zwang gegen die Angreifer vorgegangen.

Tausende Teilnehmer im Rhein-Main-Gebiet

Im Rhein-Main-Gebiet beteiligten sich Tausende Menschen an den Protesten. In Frankfurt am Main zogen laut Polizeiangaben am Nachmittag zwei Gruppen vereint mit rund 8.000 Personen um die Innenstadt, in Mainz versammelten sich 1.200 Personen auf dem Gutenbergplatz. In den Abendstunden kam es vereinzelt zu Böllerwürfen in Richtung der Polizei.

In Frankfurt blieben die Proteste zunächst ruhig.

Auch in Dresden beteiligten sich 1.900 Menschen an den Protesten. In Leipzig sprach die Polizei von 6.500 bis 7.000 Teilnehmenden, "deutlich mehr" als angemeldet. Dort sei Pyrotechnik gezündet worden.

Der Stuttgarter Demozug mit rund 3.000 Teilnehmenden wurde laut Polizei mehrfach angehalten, weil Auflagen verletzt worden seien: Einzelne hätten sich vermummt und Böller geworfen, teilte das Polizeipräsidium mit. Schließlich sei der Zug von seiner geplanten Route abgewichen; in der Innenstadt sei es dabei zu Sachbeschädigungen gekommen. In Hannover zählte die Polizei 5.800 Teilnehmende. Wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbot sei die Demonstration dort verspätet gestartet.

Initiative distanziert sich von Gewalt

Nach der Eskalation der Schüler-Proteste in Frankreich hatte es in den vergangenen Tage eine Debatte und Befürchtungen über mögliche Ausschreitungen gegeben. Jugend- und Sozialforscher hatten kritisiert, im Vorhinein mit Warnungen vor Gewalt auf die Proteste zu reagieren. Die Initiative "Gen Z regelt" selbst hatte sich von Gewalt distanziert.

Den Angaben zufolge organisierte die Initiative die Proteste in Berlin, Köln, Frankfurt am Main und München hauptverantwortlich. Die anderen Städte hätten sich dem Aufruf angeschlossen. Auf der Webseite der Initiative gab es mehr als 183.000 Zusagen für die Proteste.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich gegenüber der "Rheinischen Post" mit einer gemischten Bilanz. GdP-Bundespolizei-Chef Andreas Roßkopf nannte die Gen-Z-Proteste "sehr friedlich", allerdings hätte sich die Lage nach den Veranstaltungen in einigen Großstädten verschärft. Die Polizei sei gegen Vermummte und Randalierer mit Wasserwerfern und Pfefferspray vorgegangen.