Wie geht soziale Vermietung ohne Risiko?

Ansicht von München
Peter Kneffel/dpa
Der Wohnungsmarkt in München ist desaströs. Viele Menschen können sich die teuren Wohnungen nicht mehr leisten.
"Münchner Freiwillige" helfen
Wie geht soziale Vermietung ohne Risiko?
Wer in München eine Wohnung sucht, braucht Glück. Ein ausländischer Nachname oder geringes Einkommen sind oft schon k.o.-Faktoren. Der Verein "Münchner Freiwillige" vermittelt in solchen Fällen - auf was es dabei ankommt, erklärt die Leiterin des Wohnprojekts, Tanja Pfander.

Das Wohnprojekt des Vereins "Münchner Freiwillige - Wir helfen e.V." verbindet private Vermieter mit Menschen, die auf dem regulären Wohnungsmarkt kaum Chancen haben. 250 Wohnungen hat der von der Landeshauptstadt geförderte Verein mittlerweile im Portfolio.

Für seinen innovativen Ansatz wurde er 2026 mit dem bayerischen Innovationspreis Ehrenamt ausgezeichnet und ist im November für den Deutschen Engagementpreis 2026 nominiert. Tanja Pfander ist eine von zwölf Hauptamtlichen. Sie leitet das Wohnprojekt und erklärt dessen Prinzip.

epd: Frau Pfander, wie funktioniert das Wohnprojekt des Vereins "Münchner Freiwillige - Wir helfen"?

Tanja Pfander: Wir mieten als Verein Wohnungen auf dem freien Markt an und vermieten sie an gesellschaftlich benachteiligte Menschen weiter. Der Vorteil für die Vermieter: Wir garantieren die Mietzahlung, kümmern uns um Reparaturen, suchen die Mieter aus. Und wir gewähren Flexibilität: Nach einer Mindestmietzeit von drei Jahren könnte die Wohnung zurückgefordert werden.

Das überzeugt viele Vermieter - und hilft auf der anderen Seite denen, die auf dem Münchner Mietmarkt aufgrund ihrer Herkunft oder ihres geringen Einkommens keine Chance haben. Wir machen das, weil wir überzeugt sind, dass ein eigenes Zuhause die Grundlage für Integration und gesellschaftliche Teilhabe sind.

Sie haben nach zehn Jahren 250 Mietobjekte in Ihrem Portfolio, das klingt nicht nach so viel. Wie finden Sie Ihre Vermieter und was sind die Hürden?

Pfander: Die große Hürde ist der heiß umkämpfte Markt. Jeder bekommt seine Wohnung auch ohne uns vermietet. Wer mit uns arbeitet, möchte entweder ohne großes Risiko etwas sozial Sinnvolles tun oder schätzt die Flexibilität bei der Mietdauer - oder beides. Ich glaube, dass hinter den schlechten Chancen für Geflüchtete oder Alleinerziehende oft auch eine große Unsicherheit seitens der Vermieter steht.

Tanja Pfander leitet seit drei Jahren das Wohnprojekt des Vereins "Münchner Freiwillige".

Viele Menschen in unserer Mieterdatenbank beziehen staatliche Leistungen - die Mechanismen dahinter oder was man beachten muss, kennen Vermieter oft nicht. Im Prinzip nehmen wir ihnen, wenn gewünscht, das komplette Mietverhältnis ab, ohne zusätzliche Kosten.

Gibt es noch andere Initiativen wie Ihre?

Pfander: Es gibt andere soziale Träger, die ähnliche Modelle für eine bestimmte Zielgruppe fahren, zum Beispiel für ihre Mitarbeitenden, für Geflüchtete oder wohnungslose Menschen. Unsere Arbeit hat ihren Ursprung in der großen Flüchtlingsankunft 2015, wir haben aber auch längst Alleinerziehende oder Senioren mit kleiner Rente in unserer Datenbank. Wer eine Wohnung an uns vermieten will, kann ganz einfach über unsere Homepage Kontakt aufnehmen.

Wir melden uns schnell und können die Wohnung innerhalb von vier Wochen vermieten. Es wäre toll, wenn es auch in anderen Städten mehr Initiativen gäbe wie uns. Gerade für die Kinder unserer Familien ist es ein Glück, wenn sie nicht in einer Gemeinschaftsunterkunft aufwachsen, sondern in einer gemischten Nachbarschaft, wo sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.