Cohn-Bendit: Ausschreitungen in Frankreich "kulturelle Sache"

Cohn-Bendit: Ausschreitungen in Frankreich "kulturelle Sache"
Den ehemaligen Grünen-Politiker Cohn-Bendit überraschen die Ausschreitungen in Frankreich nicht. Gewaltsame Auseinandersetzungen hätten in dem Land eine lange Tradition.

Köln (epd). Den langjährigen Grünen-Politiker und deutsch-französischen Publizisten Daniel Cohn-Bendit überraschen die heftigen Ausschreitungen in Frankreich nicht. Es gebe eine große Unzufriedenheit aufgrund der sozialen Ungerechtigkeit im Land, gewaltsame soziale Auseinandersetzungen seien historisch tief verwurzelt. „Das ist eine kulturelle Sache, die Franzosen beflügelt das unsinnigerweise“, sagte Cohn-Bendit am Dienstag im Deutschlandfunk.

Man solle daher „nicht so tun, als ob das etwas Neues wäre“, sagte Cohn-Bendit: „Frankreich ist ja stolz auf die Französische Revolution, und das unterscheidet unter anderem Frankreich von Deutschland.“

Verweis auf große soziale Unterschiede

Cohn-Bendit sieht in der französischen Gesellschaft große soziale Unterschiede: „In Situationen, wo das Leben schwieriger wird, wird die Ungerechtigkeitslücke schwieriger auszuhalten“, sagte der in Paris lebende Publizist. Die vielfach von Jugendlichen ausgehende Gewalt erklärt der 81-Jährige damit, dass diese etwa aus den Pariser Vororten kämen und in der Stadt „einen Reichtum sehen, den sie nie erreichen können“.

In Frankreich waren am Wochenende Hunderttausende auf die Straßen gegangen. Dabei kam es auch zu Plünderungen und Brandstiftungen, landesweit kam es laut Medienberichten zu mehr als 2.000 Festnahmen und rund 1.000 verletzten Einsatzkräften. In Limoges wurde das Rathaus in Brand gesetzt. Auch in anderen europäischen Städten, etwa in Mailand oder in Brüssel, kam es am Wochenende zu Ausschreitungen aus ähnlichen sozialen oder politischen Gründen.