Charité-Chef sieht Vorsorgechancen durch digitales Monitoring

Charité-Chef sieht Vorsorgechancen durch digitales Monitoring
Im Erfassen und Auswerten von Gesundheitsdaten sieht der Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité, Kroemer, Chancen, die Prävention zu stärken. Kontinuierliche Messungen könnten ein digitales Warnsignal für eine Behandlung auslösen.

München (epd). Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité, Heyo Kroemer, sieht im kontinuierlichen Aufzeichnen von Gesundheitsdaten eine Möglichkeit für eine bessere Vorsorge. Sensoren wie die einer Smartwatch könnten Menschen im Alltag begleiten und gesundheitlich relevante Veränderungen früh erkennen, sagte Kroemer der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag). So wäre es seinen Worten zufolge zum Beispiel möglich, eine Herzrhythmusstörung, das Vorhofflimmern, zu erkennen, auch wenn es nicht während einer medizinischen Untersuchung auftritt.

Kontinuierliche Messungen könnten ein digitales Warnsignal für eine sofortige Behandlung auslösen, sagte Kroemer: „So wartet man nicht, bis etwas passiert, sondern könnte rechtzeitig eingreifen.“

Der Chef der Berliner Universitätsmedizin argumentierte zum Thema Vorsorge: „Den Leuten zu sagen: 'Trink keinen Alkohol und iss einen Apfel', das funktioniert nicht. Wir müssen stattdessen das individuelle Risiko mit modernen Methoden ermitteln.“ Dann könne man den Menschen konkrete Maßnahmen anbieten, was beim Einzelnen direkt einen Effekt habe. „Wir könnten Gesundheitsdaten überprüfen, interpretieren, Risikofaktoren erkennen und bei Bedarf direkt handeln“, sagte Kroemer.

Gesundheitsmonitoring soll freiwillig sein

Von Menschen mit Risikofaktoren oder Vorerkrankungen höhere Krankenkassenbeiträge zu verlangen, halte er dabei für wenig sinnvoll. „Wenn Sie Skifahren, wo man sich häufiger schwer verletzt, müssen Sie ja heute auch keine höheren Beiträge bezahlen“, sagte er. Bei privaten Versicherungen gebe es in gewissem Rahmen risikobezogene Beiträge, bei denen Vorerkrankungen eine Rolle spielen. „Ein solidarisches System wie unser gesetzliches finanziert hingegen auch solidarisch“, sagte Kroemer.

Zu Bedenken hinsichtlich einer digitalen Überwachung sagte der Charité-Vorstandsvorsitzende, die Software und die Hardware dafür sollten aus Deutschland oder Europa kommen. Jedes System lasse sich missbrauchen, aber er gehe nicht von einer grundsätzlichen Missbrauchsabsicht aus. Die Teilnahme an einem Gesundheitsmonitoring müsse allerdings freiwillig sein.