Wurde Jesus mit einer Klobürste gedemütigt?

Hans-Joachim Gregor
epd-bild/Christiane Ried
Der 83-jährige Geologe Hans-Joachim Gregor (hier im Bild in seinem "Klomuseum") ist sich sicher: Jesus wurde bei seiner Kreuzigung mit einer Klobürste gedemütigt.
Privates "Klomuseum" in Bayern
Wurde Jesus mit einer Klobürste gedemütigt?
Ein Geologe aus Oberbayern hat in seinen eigenen vier WC-Wänden ein privates "Klomuseum" aufgebaut. Dort hängt auch eine Abbildung eines römischen Soldaten, der Jesus am Kreuz gemäß der biblischen Berichte einen mit Essig getränkten Schwamm gereicht haben soll. Für Hans-Joachim Gregor ist klar: der Stock war eine Klobürste.

Wer wissen möchte, wie man während eines Sandsturms in der Sahara ein dringendes Geschäft verrichtet, kann Hans-Joachim Gregor aus Olching bei München fragen. "Autotür auf, Hintern raus. Und überlebenswichtig: eine Hand immer an der Türklinke lassen! Man würde sonst das Auto nicht wiederfinden." Der 83-Jährige ist Geologe, Paläontologe, Archäologe und Anthropologe und hat zahlreiche Expeditionen und Ausgrabungen in aller Welt begleitet, in Libyen oder im Jemen, in Indien oder im Dschungel von Guatemala.

Dabei hat er auch erfahren, wie die Menschen in unterschiedlichen Kulturen ihren Toilettengang verrichten. "Toilette mit fließend Wasser war in den seltensten Fällen dabei. Das ist ein Luxusgut", sagt er. Gregor hat über die Jahre an die 80 Utensilien, Fotos und Zeitungsartikel zusammengetragen und im Jahr 2000 begonnen, zu Hause in seinem eigenen zwei mal zwei Meter großen WC ein privates "Klomuseum" einzurichten.

In Gregors Klomuseum hängt auch eine Abbildung eines römischen Soldaten, der Jesus am Kreuz gemäß der biblischen Berichte einen mit Essig getränkten Schwamm gereicht haben soll. Für Gregor ist klar: ein Akt der Demütigung. Die Römer hätten Stöcke mit Essigschwämmen zum Säubern von Po und Toilette benutzt. "Der Soldat hat Jesus eine Klobürste ins Gesicht gehalten", ist seine These. 

In Gregors Klomuseum hängt auch eine Abbildung eines römischen Soldaten, der Jesus am Kreuz gemäß der biblischen Berichte einen mit Essig getränkten Schwamm gereicht haben soll (mittig im Bild über den Schwämmen). Für Gregor ist klar: ein Akt der Demütigung.

Christine Jacobi, Professorin am Lehrstuhl für Neues Testament und griechisch-römische Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München, hingegen sagt: Möglicherweise sei mit dem Essig bei der Schwammgeste "posca" gemeint, ein in der Antike verbreitetes Getränk, bei dem Wasser mit Essig verdünnt wurde. Posca sei unter anderem von Soldaten getrunken worden. Eine andere Deutung sei der Bezug zum Psalm 69,22 ("Sie gaben mir Galle zu essen und Essig zu trinken für meinen Durst"), wobei mit Essig etwas Negatives gemeint sei. Die evangelische Theologin schließt deshalb nicht aus, dass der Schwamm eine Spottgeste gewesen sein könnte. Die Evangelien selbst legten das aber nicht nahe.

Angefangen hat sein ungewöhnliches Interesse 1978 während einer Expedition in der Sahara, wie er erzählt. Ihn habe dabei verwundert, dass die lokalen Expeditionsteilnehmer nach dem Essen mit einer abgeschliffenen Konservendose verschwunden seien. Irgendwann habe er nachgefragt, was sie damit vorhatten - und erfahren: "den Hintern abputzen natürlich". Eine der ungewöhnlichsten Reinigungstechniken dürften wohl die flauschigen Hälse von frisch geschlachteten Gänsen sein, mit denen sich Zar Peter der Große der Überlieferung nach mit Vorliebe das Hinterteil gesäubert haben soll.

"Latrinen sind meine Leidenschaft"

"Ansonsten haben die Menschen das genommen, was griffbereit war", sagt Gregor, deutet auf die Exponate in seinem WC-Museum und beeilt sich noch, darauf hinzuweisen, dass "alle unbenutzt" seien: Konservendosen oder Sand, Kokosnussschalen auf Hawaii, Pestwurz in den Alpen, Tampen, also das Tau-Ende, bei Seeleuten oder Schnee in der Arktis. Ein ausgestopfter Gänsehals hängt ebenfalls an der Wand. Auch über seine eigenen Toilettengänge und -erfahrungen erzählt Gregor freimütig. Im Dschungel in Guatemala etwa habe er zu großen Blättern gegriffen. "Man muss nur aufpassen, dass keine Feuerameisen drauf sind."

Einmal sei er in Indien gewesen, um in einem Steinbruch zu graben - und habe damit für Aufregung unter den Einheimischen gesorgt. "Da lagen überall kleine Häufchen rum. Erst da habe ich gemerkt: Ich buddle in ihrem Klo herum." Während seiner Ausgrabungen hat er zig mittelalterliche Latrinen untersucht. "Latrinen sind meine Leidenschaft. Da findet man so viel Aufregendes", sagt er. Anhand der Fäkalüberreste finde man heraus, was und wie die Menschen gegessen haben. Daraus ließen sich Rückschlüsse auf Gesundheit oder Krankheiten ziehen. Außerdem sei in Latrinen auch Müll entsorgt worden oder Werkzeuge, die nicht mehr gebraucht wurden. "Latrinen sind wahre Fundgruben", sagt Gregor.

Wer seinen Erzählungen lauscht, merkt schnell: Tabus kennt er keine rund um das Thema Toilette. "Jeder muss mal. Das ist doch das Natürlichste der Welt", sagt Gregor dann. Einst sei auch ganz anders über die "Erleichterung" gesprochen worden. "So schambesetzt wie heute war der Toilettengang früher nicht." Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. habe während politischer Besprechungen auf seinem Leibstuhl gesessen und die Römer Seit' an Seit' auf ihren öffentlichen Latrinen.

Am 19. November veranstaltet Hans-Joachim Gregor einen "Tag der offenen Tür" in seinem Privatmuseum. Das ist der "Welttoilettentag", den die Vereinten Nationen 2013 sogar zum UN-Tag erklärten. Denn ohne Sanitärversorgung können sich beispielsweise Krankheiten leichter ausbreiten. Nach UN-Angaben haben rund 3,4 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu sicheren sanitären Einrichtungen. Darunter seien 354 Millionen, die ihre Notdurft im Freien verrichten müssten, berichteten WHO und Unicef im vergangenen Jahr.