TV-Tipp: "Sommer auf Asphalt"

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21. Oktober, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Sommer auf Asphalt"
Ein Tochter-Sohn-Geschichte zwischen Komik und Tragik, die mit Mala Emde und Christoph Maria Herbst ideal besetzt ist.

Tränen sind immer das Ende, auch in dieser schmerzlich-schönen Tragikomödie, die eine eigentlich sehr traurige Geschichte erzählt und dennoch voller Lebensfreude steckt, wie schon der spielerisch doppeldeutige Titel andeutet. Die Handlung beginnt mit einer halsbrecherisch rasanten sommerlichen Radfahrt durch Hamburg. Les Sommer, die nur noch von ihren Eltern Valeska genannt wird, arbeitet für einen als Kollektiv organisierten Lieferdienst. Das Team ist eine eingeschworene Clique, der Feierabend wird traditionell mit einem gemeinsamen Bier eingeläutet.

Les ist Ende zwanzig und lebt ausschließlich im Hier und Jetzt. Sie führt eine offene Beziehung mit einer Frau, hat "superselten" aber auch mal was mit Männern, zum Beispiel mit ihrem Kollegen Tyler, einem großen Kindskopf, von dem sie schwanger ist. Sie hat zwar keine Zukunftspläne, aber ein Kind kommt darin garantiert nicht vor, ebenso wenig wie ihr Vater - doch der sitzt eines Abends, als sie heimkommt, vor ihrer Tür.

Bert Sommer möchte ein paar Tage bleiben; Urlaub machen, wie er sagt. Dabei hat er seinen Frisiersalon noch nie geschlossen, um zu verreisen. Tatsächlich will er Les etwas Wichtiges mitteilen, aber erst mal kommt alles ganz anders: Als sie gegen ein Auto prallt und wegen einer Fraktur des Schlüsselbeins vorübergehend arbeitsunfähig ist, übernimmt er ihre Touren; bis er zusammenbricht.

Vermutlich hätten auch andere diese beiden Rollen spielen können, aber mit Mala Emde und Christoph Maria Herbst sind sie perfekt besetzt. Les ist bei Bert aufgewachsen, weil ihre Mutter die Familie früh verlassen hat, doch seit ihrem Umzug nach Hamburg ist der Kontakt offenbar immer sporadischer geworden. Entsprechend wenig haben sich die beiden zunächst zu sagen. Außerdem ist sie schon bald genervt, weil Bert immer noch der Helikopter-Papa von früher ist.

Dass er für sie bei den "Pedal-Piloten" einspringt, ohne ihr Bescheid zu sagen, ärgert sie deshalb umso mehr. Ihre Beziehung ändert sich gründlich, als er endlich mit der Wahrheit ’rausrückt. "Nutzen Sie jeden gemeinsamen Tag", rät der Arzt, eine kleine, aber feine Rolle für Moritz Führmann, dem das Kunststück gelingt, schlechte Nachrichten mit einem maliziösen Lächeln zu überbringen und trotzdem nicht unsympathisch zu wirken.

Das Drehbuch von Brix Vinzent Koethe basiert auf dem Roman "Pedalpilot Doppelzwo" von Wolf Schmid; der Titel bezieht sich auf Berts Funknamen. Dass er sich regelmäßig mit "over and out" verabschiedet, beschert dem Film eine Schlusspointe, die sehr typisch für die Haltung ist, mit der Koethe die Geschichte erzählt. "Sommer auf Asphalt" ist der zweite Langfilm von Simon Ostermann. Sein beeindruckendes Debüt nach diversen Serienepisoden, darunter "Oh Hell" (MagentaTV, 2022), ebenfalls mit Emde, war das ausgezeichnete ZDF-Schuldrama "Von uns wird es keiner sein" (2025).

Mit seinem Zweitwerk gelingt ihm eine eindrucksvolle Gratwanderung: Der tragische Anteil schimmert immer durch, aber der Film bleibt nicht zuletzt dank der rockigen Musik (Linda-Philomène Tsoungui) beschwingt, zumal Bert die Bürde seines Schicksals mit einer bewundernswerten heiteren Gelassenheit trägt.

Die Szenen mit den zum Teil recht schrägen "Pedal-Pionieren", die den neuen "Bro" umgehend integrieren, sind ohnehin witzig. Trotzdem wird der Film nie eine reine Komödie. Selbst der stets gutgelaunte Tyler, im Grunde eine überzeichnete Comedy-Figur, bekommt dank Aaron Hilmer eine überraschende Tiefe. Les hat ihre Entscheidung in Bezug auf das Baby längst getroffen, aber als sie sieht, wie cool der Kollege mit Kindern umgeht, gerät ihr Entschluss ins Wanken; und Bert möchte unbedingt noch Opa werden.

Eine Großmutter gäbe es theoretisch auch: Sonja (Jenny Schily) ist unter dem Namen Ruby Lawrence eine erfolgreiche Autorin schwülstiger Frauenromane geworden. Auch diese Rolle ist nicht ausschließlich negativ, zumal sie die Erklärung liefert, warum Les keine Kinder möchte: Sie fürchtet, der Mutter ähnlicher zu sein, als ihr lieb ist. Dass Bert sie überhaupt zu der Begegnung überreden konnte, liegt nicht zuletzt am früh geäußerten Schlüsselsatz des Films: "Wer weiß, wie viel Zeit wir alle noch miteinander haben."

Eine zweite Botschaft ist musikalisch verpackt: Bert wünscht sich, Les ein letztes Mal die Haare schneiden zu dürfen, ein "final cut" gewissermaßen, also mieten sie sich kurzerhand in einem Salon ein; dazu erklingt das eigens für den Film entstandene Lied "Lass los". Ein Höhepunkt ganz anderer Art ist der nur wenige Sekunden kurze, aber sympathisch selbstironische Gastauftritt von Jan Ullrich.