Berlin (epd). Die unabhängige Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus zeigt sich empört darüber, dass die Weiterführung des staatlichen Fonds Sexueller Missbrauch weiter auf sich warten lässt. „Das ist für mich eine Entsolidarisierung mit den Betroffenen“, sagte sie am Dienstag in Berlin. Sie kritisierte insbesondere die Bundesministerien für Familie und für Finanzen. Diese verwiesen bei dem Thema immer wieder wechselseitig aufeinander.
Der 2013 eingerichtete Fonds war im vergangenen Jahr wegen rechtlicher Bedenken gestoppt worden. Seit Mitte März 2025 können keine neuen Anträge mehr bewilligt werden. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) stellte Ende 2025 eine rechtssichere Nachfolgelösung in Aussicht, wies aber darauf hin, dass dies kompliziert werde.
Neues Konzept hängt in der regierungsinternen Abstimmung
Claus sagte, ein Konzept aus dem Familienministerium existiere ihrer Kenntnis nach inzwischen und liege beim Finanzministerium. Sie selbst kenne es aber ebenso wenig wie die Bundestagsabgeordneten, die für das Thema zuständig sind. Der Bundestag, der derzeit über den Haushalt für 2027 berät, werde ohne konkrete Vorlage kein Geld bereitstellen, sagte Claus voraus.
Das Haus von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) bestätigte auf Nachfrage, dass es ein Konzept zur Weiterführung des „Ergänzenden Hilfesystems“, wie der Fonds offiziell hieß, gebe. Dies werde „noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt“, sagte eine Sprecherin. Das Ministerium setze sich für das Angebot ein „und hat zusätzliche Mittel gefordert“, sagte sie.
Betroffene dringen auf „dauerhafte Folgelösung“
Angela Marquardt vom Betroffenenrat, der Claus' Amt zugeordnet ist, äußerte sich ebenfalls kritisch darüber, dass es noch keine Lösung gibt. Es sei „in keinster Weise nachvollziehbar“, wie das Thema zwischen den Ministerien hin- und hergeschoben werde. „Wir fordern unverzüglich eine rechtssichere und dauerhafte Folgelösung.“ Es reiche nicht, „Betroffenheit vor sich herzutragen und sich dann anschließend auf die Zuständigkeiten, Verfahren oder Haushaltszwänge zurückzuziehen“, sagte Marquardt.
Der Fonds ermöglichte Betroffenen von sexueller Gewalt die Finanzierung von Hilfen, die über das reguläre Sozialsystem kaum oder nur auf kompliziertem Wege zu bekommen sind. Beispiele reichten von einer speziellen Therapie über einen Umzug bis hin zu einem Assistenzhund.




