Ob "Blumenwerfer" oder "Mädchen mit Ballon": Der britische Streetart-Künstler Banksy ist international bekannt für seine heimlich und illegal angebrachte Straßenkunst. Menschen fasziniere dabei vor allem der Überraschungsmoment, sagte der Heidelberger Streetart-Experte Ulrich Blanché dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Wir alle lieben Rätsel und Schnitzeljagden."
Wann und wo das nächste Bild des weitgehend anonymen Künstlers auftauche, sei nie vorher bekannt, erklärte der Kunstwissenschaftler. Seit 20 Jahren beschäftigt er sich nun schon mit dessen Arbeiten.
Zur Frankfurter Buchmesse ist Blanchés Buch "Banksy - Straße und Mythos. Eine Biografie" im Reclam-Verlag (Ditzingen) erschienen. Darin räumt der Wissenschaftler auch mit hartnäckigen Mythen auf.
Banksys Werk ist vielschichtig und unterschätzt
Banksy Werk werde oft unterschätzt. Seine "bildlichen Wortspiele" funktionierten auf verschiedenen Ebenen, vergleichbar mit den Simpsons oder Monty Python, erklärte der Experte. Ein Sechsjähriger finde etwas anderes darin ansprechend als eine Fünfzigjährige, aber beide kämen auf ihre Kosten. Seine Bilder sollen zum Weiterdenken einladen, sowohl zeitlich als auch örtlich.
Den Kunsthistoriker begeistert diese Vielschichtigkeit. Banksy baue oft "Ostereier" in seine Arbeiten ein, also Bezüge, die manchmal selbst Experten erst nach Jahren entdeckten. Weder über Gerhard Richter, Jeff Koons, Ai Weiwei, Frida Kahlo oder andere Künstlerpersönlichkeiten seien so viele Filme, Medienberichte und Bücher erschienen. Blanché: "Banksy ist der Warhol in der Popgeschichte des 21. Jahrhunderts."
Banksy will provozieren
Banksy wolle provozieren und auf Missstände hinweisen. Berühmt ist etwa ein Graffiti, das Banksy 2022 an eine Wand in einem Kiewer Vorort sprühte. Es zeigt einen Jungen, der einen erwachsenen Judoka zu Boden wirft. Wie David gegen Goliath solle es den Kampf der Ukraine gegen den russischen Aggressor symbolisieren, sagte Blanché.
Banksys Markenkern sei seine Anonymität, sagte Blanché. Auch Enthüllungen hätten ihn nicht davon abgehalten, Ende April - heimlich und ungenehmigt - auf dem Londoner Waterloo-Place eine überlebensgroße Statue aufzustellen.
Sie zeigt einen Mann im Anzug mit Fahne in der Hand, die ihm ins Gesicht weht. Dies könnte eine Kritik am Rechtsruck vieler Länder sein, die Figur der russische Präsident Wladimir Putin, vermutet Blanché. Dazu passe, das an dem Platz auch ein Kriegerdenkmal steht, das an den Krimkrieg (1853-1856) erinnert.




