Erstes kirchliches Bestattungsinstitut eröffnet

bemalter und unterschriebener Sarg
epd-bild/Tim Wegner
Das neue Bestattungsinstitut trägt den Namen "Libera Bestattungen" und will den besonders persönlichen Abschied ermöglichen.
Neues Angebot der Kirche
Erstes kirchliches Bestattungsinstitut eröffnet
In Heidelberg ist das bundesweit erste kirchliche Bestattungsinstitut eröffnet worden. Mit "Libera Bestattungen" sollen individuelle Wünsche von Angehörigen möglich werden - seien es persönliche Abschiede vom Verstorbenen oder das Bemalen der Urne.

Das nach eigenen Angaben deutschlandweit erste kirchliche Bestattungsinstitut hat nun seine offizielle Eröffnung gefeiert. "Für uns ist es wichtig, dass wir Menschen individuell begleiten und Sachen möglich machen können", sagte Pfarrerin Beate Großklaus von der Evangelischen Kirche in Heidelberg im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das könne bedeuten, dass die Angehörigen den Verstorbenen noch einmal mit seiner Lieblingscreme eincremen, die Urne bemalen oder einen persönlichen Gegenstand mit in den Sarg hineinlegen.

Die Idee für die Gründung eines Bestattungsinstituts hatte sie während der Corona-Pandemie gemeinsam mit ihrer Kollegin, Pfarrerin Tanja Dittmar. Viele seien damals einsam verstorben. Trauerfeiern durften nur ganz kurz sein. Die evangelischen Seelsorgerinnen wollten die alte Tradition der Aussegnung des Verstorbenen auf dem letzten Weg aus dem vertrauten Zuhause wieder neu für die Menschen anbieten.

Die ortsansässigen Bestattungsunternehmen hätten dazu aber keine Nachfragen gehabt. Denn "viele wissen nicht, dass man auch Menschen, die etwa im Krankenhaus versterben, für die Abschiednahme noch mal nach Hause holen darf", erläutert die Theologin. Das ändere sich jetzt.

Andere Landeskirchen zeigen Interesse

Das neue Bestattungsinstitut trägt den Namen "Libera Bestattungen" und hat bereits im Mai seine Arbeit aufgenommen. Nun sei alles so weit aufgebaut, dass das Institut Werbung machen und an die größere Öffentlichkeit gehen könnte. Über den Sommer hinweg seien bereits drei Beerdigungen organisiert worden, sagte Großklaus. Die Klienten hatten innerkirchlich davon gehört. Auch andere Landeskirchen haben bereits Interesse an dem Format gezeigt.

Mit dem Institut soll die kirchliche Kernkompetenz, Menschen trauersensibel zu begleiten, gestärkt werden, so Großklaus. Das Institut verbindet Bestattungsbegleitung mit einem evangelisch geprägten Verständnis von Würde, Trost und Hoffnung. "Kirche wird bei Trauerfeiern als relevant erlebt", heißt es in einer Mitteilung von "Libera Bestattungen" vom September. Deshalb sei es wichtig, mit dem kirchlichen Bestattungsinstitut die Lücke im kirchlichen Angebot zu schließen.

Zudem soll mittels des Instituts eine Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer ermöglicht werden. Geplant sind den Angaben zufolge Informations- und Bildungsangebote, sowie Kooperationen mit Pflegeschulen oder Bildungseinrichtungen, heißt es weiter. "Es soll Sprachlosigkeit abgebaut und Orientierung gegeben werden."

Das neue Bestattungsinstitut ist eine gemeinnützige Gesellschaft der Evangelischen Kirche in Heidelberg. Das Angebot steht allen Menschen offen - unabhängig von Religion, Konfession und Weltanschauung - und orientiert sich an den persönlichen Überzeugungen, Wünschen und Bedürfnissen der Verstorbenen und ihrer Angehörigen.