Die Berliner Bischöfe sehen in den Ergebnissen der Abgeordnetenhaus-Wahl ein Votum für eine weltoffene und vielfältige Hauptstadt. Die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner habe "für die liberale Demokratie" gestimmt, sagte der evangelische Bischof Christian Stäblein am Wahlabend. "Wir sind als Kirche dem christlichen Menschenbild und der Würde jedes Menschen verpflichtet." Ihn beunruhige das Abschneiden der AfD als möglicherweise drittstärkste Kraft.
Sein katholischer Amtskollege Heiner Koch erklärte, die Kirche werde "die Politik weiter kritisch begleiten, vor vermeintlich einfachen Lösungen warnen, und anwaltlich für die einstehen, die in der politischen Debatte zu wenig gesehen und gehört werden". Berlin "ist und bleibt vielfältig", sagte Koch.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, beklagte, dass die in ersten Hochrechnungen führende Linkspartei "wiederholt mit antisemitischen Grenzüberschreitungen" aufgefallen sei. Die Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, Eva Umlauf, sagte, sie erwarte, dass die Linke als Gewinnerin der Wahl sich "von allen antisemitischen Kräften innerhalb der Partei distanziert und trennt".
"Menschenverachtende Sprache und Taten"
Nach vorläufigen Hochrechnungen der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF wurde die Linke mit 25,4 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Dahinter folgte die CDU mit 19,4 Prozent und die AfD mit 15,4 Prozent vor den Grünen mit 15,1 Prozent und der SPD mit 11,8 Prozent. Das BSW lag bei 5,1 Prozent. Bislang regiert eine schwarz-rote Koalition, die im neuen Abgeordnetenhaus keine Mehrheit mehr erreicht.
Bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD ihren Stimmenanteil auf 37,9 Prozent mehr als verdoppelt und wird stärkste Kraft. Die SPD, die mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig zuletzt noch eine Aufholjagd hingelegt hatte, landet mit 35,7 Prozent deutlich dahinter. Die CDU fällt auf nur noch 5 Prozent zurück, die Linke liegt bei 6,7 die Grünen bei 5,4 Prozent. Das BSW liegt in beiden Wahlen bei 5 Prozent - der Einzug in Abgeordnetenhaus beziehungsweise Landtag ist noch nicht sicher.
Die Landesbischöfin der evangelischen Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, hatte am Wahltag davor gewarnt, sich an menschenverachtende Sprache und Taten zu gewöhnen. Denn dann könnten sich auch Diktaturen und Tyrannen in die Köpfe und Herzen der Menschen schleichen, sagte sie in ihrer Predigt im Schweriner Dom. Völkischer Nationalismus sei absolut unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild.
Auch der katholische Bischof von Erfurt, Ulrich Neymeyr, hat vor einem völkisch-nationalistischen Verständnis von Identität gewarnt. Eine solche Vorstellung führe zur Abgrenzung und könne Geringschätzung und Hass gegenüber anderen Völkern begünstigen, sagte Neymeyr vor mehr als 1.500 Gläubigen. Christliche Identität dürfe dagegen nicht zur Ausgrenzung oder Abwertung anderer dienen.




