Beauftragter Rachel: Religionsfreiheit Gradmesser für Menschenwürde

Beauftragter Rachel: Religionsfreiheit Gradmesser für Menschenwürde
Digitale Überwachung in China, islamistische Gewalt in Afrika und Religion als Kriegspropaganda: Menschenrechtler beleuchten die Verfolgung und den politischen Missbrauch des Glaubens - und fordern mehr Aufmerksamkeit für Religionsfreiheit.
03.11.2026
epd
Von Stephan Cezanne (epd)

Berlin (epd). Der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel (CDU), hat vor einer zunehmenden Einschränkung der Glaubensfreiheit durch autoritäre Staaten gewarnt. „Dort, wo Religions- und Weltanschauungsfreiheit nicht gegeben ist, werden auch andere Menschenrechte vielfach verletzt“, sagte er am Dienstag in Berlin zur Vorstellung der Jahrbücher „Religionsfreiheit 2026“ und „Verfolgung und Diskriminierung von Christen“. Religions- und Weltanschauungsfreiheit sei ein Gradmesser für die Achtung der Menschenwürde und für den gesellschaftlichen Frieden.

Die Religionsfreiheit ist nach Einschätzung von Menschenrechtsexperten weltweit weiter unter Druck. Die Lage habe sich 2026 gegenüber den Vorjahren verschlechtert oder sei anhaltend schlecht geblieben, heißt es in den Jahrbüchern. Besonders verschärft habe sich die Situation im Iran, in Pakistan und Ägypten sowie in China und Kuba. Die Herausgeber warnen zudem vor einer zunehmenden politischen Instrumentalisierung von Religion.

Glauben als ideologische Waffe

„Populistische Instrumentalisierungen religiöser Identität oder Narrative zur Einschränkung von Religions- und Weltanschauungsfreiheit sind auf dem Vormarsch“, hieß es. Besonders warnen die Herausgeber vor Russland, das den Glauben zunehmend als ideologische Waffe und zur Rechtfertigung von Kriegsverbrechen missbrauche.

Die Religionsfreiheit sei weltweit gleich doppelt bedroht, erklärte Thomas Schirrmacher, Präsident des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit und des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, vor Journalisten: „Durch diejenigen, die sie mit Füßen treten, und durch diejenigen, die sie aus der internationalen Politik verdrängen.“ In Afrika breite sich das Morden islamistischer Extremisten an Christen, gemäßigten Muslimen und Angehörigen traditioneller Religionen immer weiter aus, sagte Schirrmacher.

Kauder warnt vor Repressionen in China und Indien

Der frühere CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder warnt in einem Beitrag für die Jahrbücher ebenfalls vor einer zunehmenden Einschränkung der Religionsfreiheit. Als Beispiele nennt er China und Indien. In China würden Christen bedrängt und überwacht sowie in ihrer Glaubensausübung eingeschränkt. In mehreren indischen Bundesstaaten komme es zu Übergriffen bis hin zu Todesfällen. Sogenannte Antikonversionsgesetze, die religiöse Übertritte regeln, verunsicherten Christen, schreibt der Honorarprofessor für Religionsfreiheit und Ethik an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) Gießen.

Das Jahrbuch zur Religionsfreiheit behandelt unter anderem die Themen Antisemitismus im linken Spektrum, Trumps Religionspolitik und die Lage religiöser Minderheiten auf der Flucht. Das Jahrbuch zur Christenverfolgung behandelt unter anderem den Verlust historischen Erbes durch das Verschwinden von Kirchen.

Die Menschenrechtsexperten Thomas Schirrmacher, Martin Lessenthin und Martin Warnecke geben die Jahrbücher für die Arbeitskreise für Religionsfreiheit der Evangelischen Allianzen, das Internationale Institut für Religionsfreiheit und die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte heraus.