Neue Jüdische Akademie will "Haus der Zukunft" sein

Neue Jüdische Akademie will "Haus der Zukunft" sein
Vergewisserung nach innen und Stärkung nach außen: Vertreter des Judentums äußerten in der ersten Diskussionsrunde der Jüdischen Akademie Wünsche an das neu eröffnete Haus.
03.11.2026
epd
Von Jens Bayer-Gimm (epd)

Frankfurt a.M. (epd). In der am Montag eröffneten Jüdischen Akademie in Frankfurt am Main stellte der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Benjamin Graumann, zu Beginn gleich eines fest: „Gegen Antisemitismus zu arbeiten, ist nicht Aufgabe der Akademie“, sagte das Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland auf dem ersten Podiumsgespräch am Dienstag. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Aber die Akademie kann dabei helfen.“

Das sei bitter nötig, erklärte Graumann: Mehr als 80 Prozent der Jüdinnen und Juden in Deutschland beurteilten ihre Situation pessimistisch. Seit dem Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem Erstarken des Antisemitismus sei das Leben von Juden in Deutschland „so gefährdet wie nie zuvor und gleichzeitig so bunt und vielfältig wie nie zuvor“.

Ort für kritische Themen

An der Akademie solle es daher nicht nur um Antisemitismus und Israel gehen, sondern auch um jüdische Kultur, Wissenschaft, Humor und Optimismus, sagte Graumann. Jüdische Menschen hätten ein Bedürfnis nach Orten, die sicher seien und an denen sie gehört würden. „Die Akademie wird nicht nur ein safe space (sicherer Ort), sie wird auch ein brave space (mutiger Ort) sein“, sagte er. Hier dürften sich alle trauen, auch kritische Themen anzusprechen.

Der Vorsitzende der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, Ron Dekel, nannte solche Themen. Im Blick nach außen gehe es darum, fortwährend vorgebrachte negative Fremdzuschreibungen wie „Du Zionist!“, die auf Schmierereien in Hochschultoiletten mit Mordaufrufen verbunden seien, wieder positiv zu besetzen.

Gegen das Einschüchtern wehren

„Wichtig ist, dass Juden sich nicht von einem gesellschaftlichen Klima einschüchtern lassen“, betonte Dekel. So hätten jüdische Studierende im vergangenen Herbst an der TU Berlin Räume des AStA besetzt, um gegen antisemitische Parolen auf dem Campus und im AStA zu protestieren. Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gehe es etwa um die strittige Frage, ob die Zugehörigkeit auch mit der Abstammung von einem jüdischen Vater definiert werden könne. Die jüdische Gemeinschaft müsse sich selbst stärken, dazu könne die Akademie einen Beitrag leisten. Dabei sollten sich konservative und linke jüdische Stimmen äußern können.

Co-Direktor Doron Kiesel wertete die bodentiefen Fensterfronten der Akademie zur Straße hin als Signal, dass das Haus „kein closed shop (geschlossener Laden), sondern eine öffentliche Veranstaltung“ sei. Die Akademie wolle in der Gesellschaft Gruppen ausfindig machen, die sie stärken könne, so wie Lehramtsstudierende. Sie sollten mit dem Judentum nicht nur den Holocaust verbinden, sondern auch das gegenwärtige Leben. Allerdings sei es eine „extrem schmerzhafte Erfahrung, dass Bildung an Grenzen stößt“.

„Akademie ist ein Hoffnungsträger“

Co-Direktorin Sabena Donath fügte hinzu, die Akademie wolle auch für jüdische Kulturschaffende und Studierende da sein, die „in bestimmten aktivistischen Kreisen nicht mehr sicher sind“. Graumann fasste für die jüdische Gemeinschaft zusammen: „Die Akademie ist ein Hoffnungsträger!“