Eine dreitägige interdisziplinäre Tagung in Landau beschäftigt sich mit der kultur- und sozialgeschichtlichen Bedeutung von Kneipen und Gaststätten. Die Tagung vom kommenden Dienstag bis Donnerstag (13.-15.10.26) im protestantischen Butenschoen-Haus wolle diese "Bühne der Gesellschaft" vor allem aus medienwissenschaftlicher Perspektive untersuchen, sagte der Literaturwissenschaftler Lars Henk als Mitorganisator im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Auch ihr heutiges gesellschaftliches Potential solle dabei anhand diverser Beispiele aufgezeigt werden. Kneipen und Gaststätten seien wichtige öffentliche Begegnungsräume, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialer Gruppen zusammenkommen und sich austauschen könnten.
Seit Jahrhunderten gehörten Kneipen, Cafés oder Wirtshäuser zu identitätsstiftenden Orten, an denen gesellschaftliche Vielfalt sichtbar werde, sagte der Romanist Henk von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU).
In ihnen begegneten sich einerseits Menschen, die im Alltag vielleicht nicht zusammenkommen würden. Andererseits blieben manche Gruppen in "ihren" jeweiligen Orten der Gastlichkeit unter sich.
Diese Treffpunkte seien ein beständiges Thema in Kunst, Literatur und Film und befänden sich im Wandel, sagte Henk. Seit Jahren gebe es ein "Dorfkneipensterben", weil Menschen sie weniger nutzten.
"Kneipenschutz ist Demokratieschutz"
Wichtig sei es, Kneipen, Cafés und Gaststätten, in denen gefeiert, diskutiert und gestritten wird, als Orte sozialer Vielfalt zu erhalten, sagt Henk. "Kneipenschutz ist auch Demokratieschutz." Eine Aufgabe sei es, zu erörtern, wie man trotz Differenzen zusammenleben wolle. Voraussetzung dafür sei, anderen Menschen offen und mit Interesse zu begegnen. In vielen Kulturen und Religionen hätten Gastlichkeit, die "ein Tor zur Welt" öffne, sowie der freundliche Umgang mit Fremden einen zentralen Wert.




